Tagebuch Patagonien - Feuerland 2010

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Hauptprogramm: Chile; Argentinien
Verlängerung:
Ibará - Iguazú    

Reisetagebuch der Freundeskreisreise

Patagonien - Feuerland 13.11. - 6./12.12.10
 

Mo.  15.11.10        Santiago de Chile:
                         Patagonien-Gruppe heil und komplett eingetroffen :)
liebe leute,
heute ist nun die neue patagonien-gruppe   - vollständig, pünktlich und mit komplettem gepäck -  etwas müde aber glücklich in der südlichen hemisphere eingetroffen. 

thabi und ich hatten nach unserer
1. erkundungstour in nord-peru freitag abend den flieger von lima in die argentinische hauptstadt buenos aires genommen und waren samstag früh dort eingetroffen, um die wesentlichen dinge zu regeln und die gruppe - die zeitgleich aus d-land aufbrach - schließich am sonntag früh in empfang zu nehmen.

heute morgen also trafen wir im flughafen von buenos aires auf die gruppe, die hier nach langer flug-nacht frisch aus europa kommend eingetroffen war.  gemeinsam nahmen wir dann den anschlussflieger nach santiago, der hauptstadt chiles, und flogen über die hier im süden noch malerisch verschneiten anden mit fantastischem blick auf den aconcagua, den direkt auf der argentinsch-chilenischen grenze gelegenen und mit über 7.000 metern höchsten berg amerikas. 

kurz darauf landeten wir in santiago de chile und fuhren in mehreren kleinbussen zu unserem netten kleinen, gänzlich ohne rechte winkel gebauten hotel, im grünen zentrum am malerischen hügel cerro santa lucia gelegen. von hier aus unternahmem wir im frühsommerlich warmen sonnenschein unseren ersten kleinen stadtrundgang durch das historische zentrum der stadt, einschließlich "la moneda", dem berühmten präsidentenpalast, und der am sonntag nachmittag von vielen bummelnden städtern besuchten zentralen plaza de armas, wo musikgruppen und gaukler auftreten und eine wärmende friedliche stimmung verbreiten. 

abends besuchten wir das künstler- und kneipenviertel pio nono am fuße des cerro santo cristóbal, von wo wir soeben zurückkehren, nachdem wir in einem urigen lokal ein überaus leckeres abendessen mir allem drum und dran genossen haben.  inzwischen sind die teilnehmer nach dem abnorm langen reisetag erschöpft ins bett gesunken..

morgen werden wir den tag im sommerlichen  santiago verbringen, bevor wir abends den nachtbus nach süden ins seengebiet nach pucón am fuße des vulkans villarica nehmen -  den wir dann am folgetag besteigen wollen, um einen blick in seinen brodelnden krater zu werfen. 

ihr werdet von uns hören - 
bis dahin grüßen euch die glücklichen la-palma-explorers vom anderen ende der welt,
ganz liebe grüße aus santiago de chile, 
i.a. thomas 
 

Fr.  19.11.10        Seengebiet:  Pucón -  Besteigung des Villarica-Vulkans  /
                                                             Frutillar  - Pto. Montt
liebe leute,
inzwischen haben wir santiago verlassen und das südlich gelegene seengebiet erreicht: 

den montag verbrachten wir noch im sommerlich sonnigen santiago, wo wir morgens schon den alle zwei tage stattfindenden pompösen wachwechsel an der moneda (präsidentenpalast) mit viel tschingderassabum, militärkapelle und beritt beobachten konnten und später über den markt und zum höchsten aussichtsberg cerro san cristóbal bummelten, um mit einer zahnradbahn den gipfel zu erreichen und einen fantastischen blick über die stadt bis in die zurzeit noch verschneiten anden zu genießen.

abends fuhren wir mit der metro zum busbahnhof, um den nachtbus ins seengebiet zu nehmen, die ca. 800 km südlich von santiago gelegende vor-anden-gegend voller dichter araukarien-urwälder, glitzernder seen und schneebedeckter vulkane. die eigentlich vorgesehene zugfahrt hierher ist bis auf weiteres ausgesetzt, da die bei dem erdbeben im februar beschädigten gleise noch nicht vollständig wiederhergestellt sind.  aber der nachtbus mit seinen schlafsitzen ist mindestens ebenso komfortabel und brachte uns direkt bis pucón am villarica-see, wo wir am frühen morgen eintrafen und erstmal unser nettes aparthotel bezogen.  es folgte ein stadtrundgang mit leckerem frühstück mit kaffee und kuchen (hier gibt es einfach fantastischen kuchen !!) und eine kleine see-rundfahrt über den blau in der sonne glitzernden see vor der fantastischen kulisse des ebenförmigen, weiß verschneiten vulkankegels des stets rauchenden villarica-vulkans vor ebenfalls blitzblauem himmel. 

später passten wir bei der agentur, mit der wir am folgetag den vulkan besteigen wollten, unsere ausrüstung an: stiefel, overall, handschuhe und helm, dazu rucksack, steigeisen und eispickel. wir waren bester dinge, und nach einer umfassenden aufklärung über die besteigung des vulkans waren auch fast alle gruppenmitglieder willens und bereit, den berg zu besteigen. 

der nächste tag begann dann allerdings trübe und mit leichtem regen. früh wurden wir abgeholt und zum parkplatz auf ca. 1.600 meter höhe über normalnull gebracht, um den 2.850 meter hohen gipfel zu erklimmen. nach abmarsch erreichten wir bald die wolkenobergrenze und hatten nun bereits teilweise tolle sicht auf den rauchenden gipfel.  voller zuversicht stapften wir durch den schnee immer aufwärts, mit ausreichenden pausen und umsorgt von insgesamt 5 (!) überaus kompetenten einheimischen führern.

um es kurz zu machen:  fast alle erreichten den gipfel und schauten fasziniert in den rauchenden schlund des gewaltigen kraters. aber auch diejenigen, die in der zur verfügung stehenden zeit den gipfel nicht ganz erreichten, waren glücklich, die gleichzeitig anstrengende und euphorisierende wanderung unternommen zu haben. eine teilnehmerin erlitt auf halbem weg einen schwächeanfall und wurde vorzeitig hinabgebracht und auch vorsichtshalber in der klinik kontrolliert -  es ging ihr aber zu dieser zeit glücklicherweise schon wieder gut, und der medizinische befund blieb ohne nachteiliges ergebnis.  der abstieg der gipfelstürmer erfolgte größtenteils in form einer rutschpartie auf dem hintern in einer art schnee-loipe -  eine altersunabhängigge riesengaudi..!!

unten erwartete uns ein leckerer pisco-sour zur stärkung; später besuchten wir auch noch die thermen, um die müden glieder zu entspannen. nach einem super-abendessen sanken wir müde, aber glücklich über die überstandene leistung ins bett.. :)

heute fuhren wir weiter, immer auf der panamericana gen süden. dabei besuchten wir am llanquihue-see den kleinen ort frutillar, eine gründung deutscher einwanderer aus den 1850'er jahren, wo heute noch viele schilder und hinweise in deutsch gehalten sind und es leckeren "kuchen" (das chilenische wort für kuchen) gibt.  die häuser wirken wie direkt aus dem schwarzwald hierher versetzt, und die meisten einwohner zählen deutsche zu ihren vorfahren. die ältere generation spricht auch noch deutsch (ein etwas altertümlich wirkendes sudetendeutsch) und freut sich über das interesse der heutigen deutschen besucher :))

inzwischen sind wir in puerto montt eingetroffen, der hauptstadt der 10. region im südlichen seengebiet am golf von reloncaví.  hier werden wir morgen das postschiff besteigen, welches uns auf einer dreitätigen reise durch die verwirrende insel-, fjord- und schärenwelt patagoniens immer weiter südwärts bringt, bis wir montag in puerto natales kurz vor feuerland anlegen werden.  dort werden wir dann zu den gletschern des südlichen eisfeldes aufbrechen und die bizarren felsspitzen der torres del paine besuchen, bevor es über die magellanstraße nach feuerland geht..

wir melden uns dann auch bald wieder -   
bis dahin wünschen euch die la-palma-explorers alles gute und senden ganz herzliche grüße von der südhalbkugel
i.a. thomas 
 

Di.  23.11.10          Patagonien: schönste Schiffsfahrt Amerikas /
                                       Puerto Natales -  Cueva Milodon
liebe leute,
soeben haben wir puerto natales im südlichen patagonien erreicht, die kleine stadt am ufer des "sund der letzten hoffnung", die man nicht auf chilenischen straßen erreichen kann, da das südliche eisfeld jede verbindung unterbricht. 

so kamen wir auch mit dem postschiff der navimag, welches die verbindung zum chilenischen hauptland aufrecht erhält und drei tage für die fahrt durch die wildniss der patagonischen inselwelt braucht. unterwegs nur inseln, schären, kanäle und fjorde, die von gletschern in die südlichen anden gefräst wurden und heute "ertrunken" sind. tiefe immergrüne wälder an den ufern der stillen gewässer, überkront immer wieder von schneekuppen und gletschern, die bis ins wasser lappen und hier kalbend eisberge bilden, die dann blau schimmernd auf und davon schwimmen.. 

an bord hatten wir eine schöne zeit: einfache, aber saubere und gemütliche kojen und ebenfalls supersaubere, ständig geputzte gemeinschaftsbäder, gutes essen und eine gut gefüllte bar, nette mitreisende und stets interessante ausblicke an deck einschließlich der ständig für uns offenen kapitänsbrücke, auch ein landgang im einzigen kleinen ort auf der reise: puerto eden, auf halbem weg gelegen und ursprünglich als versorgungseinheit für wasserflugzeuge gegründet, die früher hier die verbindung zur welt darstellten.  heute leben hier die letzten kaweshkar (alakaluf-indianer), frühere wassernomaden, die hier sesshaft wurden. eine gediegene abschlussparty brachte die reisenden einander näher und begründete manche freundschaft..

heute landeten wir also in pto. natales und bezogen zunächst mal unser hotel (mit pool). dann machten wir uns auch schon auf den weg in die patgonische steppe, um eine gewaltige höhle zu erkunden, in der man fossilien von milodons (grizzlybär-artige riesenfaultiere) gefunden hat, die hier zum ende der letzten eiszeit lebten und von den ansässigen indianern gejagt wurden.  inzwischen sind aber alle unsere leute zur nachtruhe gegangen, und ich werde es ihnen sofort gleichtun.. :)

denn morgen brechen wir früh auf, um mit einem katamaran zunächst den sund der letzten hoffnung und dann in zodiaks den rio serrano hinaufzufahren zum torres-del-paine-nationalpark mit seinen bizarr geschliffenen felstürmen..

daher nun gute nacht - 
lieben gruß von einer quietschfidelen gruppe,
i.a. thomas
 

Fr.  26.11.10        Torres del Paine

liebe leute,
inzwischen haben wir die gewaltigen granittürme der torres del paine in südpatagonien hinter uns:

dienstag früh bestiegen wir in pto. natales ein geschlossenes schnellboot, welches uns den einsamen sund der letzten hoffnung hinauf brachte. am ende des fjordes wanderten wir durch wunderschönen südbuchenwald zu einem gletscher des südlichen eisfeldes und enterten dann ein zodiak (militär-schlauchboot mit festem boden), welches uns in rasanter fahrt den río serrano aufwärts brachte bis zum torres-del-paine-nationalpark.  schon zu beginn ließen sich die "hörner" des bizarr geformten gebirgsmassivs kurz blicken, quasi als zielangabe, bevor sie sich zunächst wieder in dichte wolken hüllten.. 

im park erwartete uns nun ein deftiges "asado": lamm direkt vom grill. später besichtigten wir bei heftigem sturm einen tosenden wasserfall, in welchem sich der obere nordenskjöld-see in den unteren pehoe-see stürzt, bevor wir schließlich unser gemütliches hotel, idyllisch gelegen auf einer insel im pehoe-see und vom ufer erreichbar über einen schmalen holzsteg, mit fantastischem blick auf die inzwischen weitgehend wolkenfreien torres, bezogen.

gestern erlebten wir dann einen wunderschönen wandertag rund um die torres: 
bei der wohl steifsten je erlebten (wahrhaft patagonischen) "brise" kämpften wir uns über einen kiesstrand, an welchem einige magisch blau schimmernde eisberge gestrandet waren, und wanderten später in friedlicher sonne durch die sanften hügel der nunmehr geradezu unschuldig im hellen licht liegenden patagonischen steppe, stets mit blick auf die majestätisch in den himmel ragenden torres del paine.  dabei beobachteten wir unterwegs andenfüchse, nandus (südamerikanische straußenart) mit ihren küken und ganze herden von guanakos (größte wildlebende kleinkamelart amerikas, aus denen schon vor ca. 3.000 jahren lamas gezüchtet wurden), die sich  - friedlich grasend - von unserer anwesenheit  nicht im geringsten stören ließen.  auch ein kondor kreiste am himmel, dann noch einer, und noch einer  -  und irgendwann so viele, dass wir kaum noch hinschauten:  ganze schwärme riesiger kondore (!!) konnten wir bei ihren flugkünsten bewundern..

heute früh nun sind wir gerade auf dem sprung: gleich geht es mit einer längeren fahrt durch die von einem grandiosen himmel überwölbten patagonischen weiten hinüber nach argentinien, zu den großen gletschern des südlichen eisfeldes. später mehr.. 

schönen gruß noch aus dem südlichsten chile,
thomas
                                                                                                                    
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So.  28.11.10        Calafate:  südliches Eisfeld,  Perito-Moreno-Gletscher

liebe leute,
nach drei tollen tagen im tiefsten patagonien sind wir gerade im aufbruch nach feuerland :) 

vom früher in jeder beziehung windigen, heute mit vielen kuschlig geheizten cafés hübsch herausgeputzten calafate unternahmen wir einige expeditionen ins südliche eisfeld: mit einem flotten katamaran schipperten wir über den lago agentino (größter see argentiniens) zu den verschiedenen in den see mündenden gletschern und kletterten mit eisenkrampen an den stiefeln durch den zerklüfteten perito-moreno-gletscher: das ist der berühmte, noch wachsende gletscher, der sich aus seinem bett heraus schiebt bis ans gegenüberliegende ufer und dabei einen seitenarm des lago argentinos abschnürt, so dass sich das wasser dahinter staut, bis der druck groß genug geworden ist, den eisdamm zu sprengen.  2008 war der letzte durchbruch, zurzeit fließt das wasser durch einen tunnel im eisfeld ab.. 

die unter einem sonnigen tiefblauen himmel blau glitzerenden seen mit den darin treibenden magisch blau schimmernden eisbergen und den ebenfalls pastellblau schimmernden gletschern ergeben ein immer wieder faszinierendes bild in den verschiedensten blautönen -  man kann sich kaum satt sehen an so viel wild-grandioser natur..!! zudem ist hier ja gerade frühling, die wälder zeigen sich in frischem grün, und überall blühen flammendroter feuerbusch und gelb leuchtender ginster um die wette -  ein unvergleichliches und unvergessliches farbschauspiel..!!

abends sitzen wir in den urig-gemütlichen lokalen und cafés und lassen es uns wahlweise bei einer auswahl köstlichen kaffees und heißer schokolade oder deftigen patagonischen steaks mit hausgebrautem bier richtig gut gehen.  es wird erst spät dunkel  - hier sind wir ja im frühsommer, dabei ist es aber doch so kalt und die luft so klar wie bei uns im winter, so dass wir bei dunkelwerden kaum glauben können, dass es tatsächlich schon auf mitternacht zu geht.. :)

im augenblick packen wir die sachen, um nach feuerland aufzubrechen. ein kurzer flug bringt uns über die magellanstraße zur südlichsten spitze des amerikanischen kontinents, wo wir heute nachmittag in ushuaia, der mit großem abstand südlichsten stadt der welt am beaglekanal spazieren werden.  dazu später mehr.. 

bis dahin wünschen wir euch alles gute mit dem bei euch  - wie wir hören - hereinbrechenden winter,
ganz liebe grüße aus dem tiefsten patagonien, 
thomas
 

Mi.  1.12.10          Ushuaia -  Feuerland

liebe leute,
hier erreicht euch nun ein gruß vom südlichsten punkt unserer reise: aus ushuaia auf der insel feuerland vor der südspitze des amerikanischen kontinents, südlichste stadt der welt und von der antarktis nur noch durch die winddurchtoste drake-passage getrennt. 

die rauhe gegend ist wild zerklüftet von den letzten ausläufern der anden, deren täler in den sich hier treffenden eisigen gewässern von südatlantik und südpazifik bereits ertrunken sind.  die umliegenden berge sind noch tief verschneit, und über den weiten himmel jagen wolkenfetzen, während die stadt weitgehend im windschatten der feuerländischen gebirgskette liegt -  in deren hafen derweil eisbrecher ladung aufnehmen, mit der sie die verschiedenen antarktis-stationen versorgen.. 

an diesem buchstäblichen ende der bewohnbaren welt unternahmen wir die letzten beiden tage wunderschöne wanderungen durch stille südbuchenwälder entlang rauschender bäche und plätschernder buchten und durch die weichen mooskissen der blühenden moore, beobachteten biber beim 'geo-forming'  - sie verwandeln mit ihren dämmen die sanft hügelig modellierten täler in ein wahres seengebiet -  und schipperten mit einem gemütlichen kajütboot über den beagle-kanal, um vogel- und seelöwenkolonien zu besuchen.

abends saßen wir in der warmen stube gemütlicher lokale im typischen feuerländischen puppenstubenstil oder einer rustikalen blockhütte im wald bei leckeren fisch- und steak-gerichten und ließen den tag bei glühwein oder hausgebrautem bier ausklingen. 

inzwischen sitzen wir schon wieder auf gepackten koffern, denn heute geht es noch einige flugstunden wieder hinauf nach norden, zur valdéz-halbinsel im (hoffentlich schon etwas wärmeren) nord-patagonien, wo wir morgen wale und seeelefanten beobachten wollen.  dazu später mehr  - jetzt müssen wir erst mal wieder los..

euch allen ganz liebe grüße aus der kälte des frühen südsommers in die kälte des frühen nordwinters  (nur dass hier die tage jetzt länger sind als bei euch ;)
thomas
 

Kommentar  Do.   2.12.10:      Viele Grüße aus dem kalten Frankenlande
Lieber Thomas,
wenn ich deine Meldungen so lese, dann fühle ich mich so richtig schlecht. Ich muss täglich im winterlichen und kalten Nürnberg in die Arbeit gehen und du bist in interessanten, fernen Landen unterwegs. Aber: jeder wie er es verdient. Ich hoffe, euch geht es allen gut und alles klappt so wie es geplant ist.
Viele Grüße auch an Elfriede und Michael von Wolfgang und Gisela.
NS: Und eines ist noch wichtig: Bringt viele tolle Fotos mit!
 

Sa.  4.12.10        Valdéz-Halbinsel

liebe leute,

nach einem zweitausendkilometer-flug von der südspitze feuerlands zur nordpatagonischen, auf halben weg nach buenos aires an der atlantischen küste gelegenen valdéz-halbinsel sind die temperaturen schon erheblich moderater als dort unten kurz vor der antarktis.  bei strahlendem sonnenschein und frühsommerlich milden 20 grad konnten wir so die letzten zwei tage unsere anvisierten tierbeobachtungen durchführen: 

zunächst warfen wir am sankt-joselfs-golf einen blick auf die vogelinsel, die aussieht wie ein hut und den hier seinerzeit als postflieger arbeitenden antoine de saint-exupéry zu seiner zeichnung einer schlange mit gefressenem elefanten inspirierte. in der weiten steppe der halbinsel tummelten sich eine vielzahl guanakos und nandus, dazu maras (die kurzohrigen pampashasen), auch ein gürteltier kreuzte unseren weg. an den stränden räkelten sich kolonien von seelöwen und seeelefanten, und an der punta tombo ließen wir uns in der größtern pinguin-kolonie außerhalb der antarktis von den putzigen und neugierigen frackträgern begutachten, die hier zurzeit ihre wollknäuel-küken aufziehen. 

ein weiteres highlight war ein ausflug im schnellboot zu den in der bucht vor pto. pyramides weilenden walen, die hier zwischen august und dezember ihre jungen aufziehen und auf die erste wanderung in die antarktis vorbereiten.  es handelt sich um den südlichen glattwal, einen bis zu 18 meter langen bartenwal, der gern an der oberfläche bleibt und so zum bevorzugten ziel der walfänger wurde (engl.: "right wale", der "richtige wal" zum harpunieren), bis er fast ausgerottet war. zurzeit erholen sich die bestände hier, da die einheimischen statt mit der jagd mit harpunen inzwischen mehr geld mit der jagd mit fotoaparaten machen. es ist absolut faszinierend zu sehen, wie die riesigen, das boot an länge übertreffenden walmütter mit ihren kaum kürzeren kälbern direkt neben dem boot auftauchen und luft abblasen, bevor sie ganz ruhig wieder abtauchen oder sich einige zeit neben dem boot aufhalten..

die gegend hier wurde gegen ende des 19. jahrhunderts von walisern kolonisiert, deren nachkommen heute noch die vorherrschende volksgruppe sind. so besuchten wir in einem typischen walisischen dorf auch eine walisische teestube, wo uns der typische milchtee (zusammen mit einer auswahl äußerst leckerem kuchen) gereicht  wurde. 

in der weiten pampa patagoniens werden immer wieder dinosaurierfunde gemacht, wichtige ausgrabungen und ständig neue erkenntnisse über das erdaltertum sind die folge.  das weltweit wichtigste museum für dinosaurierknochen steht folgerichtig in trelew (sprich tre-lé-u, walisisch für "ort des lewis", des gründers der walisischen kolonie), der regionshauptstadt. sehr beeindruckend !! 

bevor wir eben zum flughafen aufbrachen, nahmen wir noch einen abschiedsdrink im touring-club, einem altehrwürdigen hotel-lokal, in welchem neben vielen argentinischen größen auch schon butch cassidy und sundance kid sowie antoine de saint-exupéry genächtigt haben, da es lange zeit das einzige hotel auf dem weiten und einsamen weg nach patagonien war. 

inzwischen warten wir am flughafen auf unseren flug nach buenos aires, wo wir die letzten zwei tage unserer dreiwöchigen kernreise absolvieren werden. danach gehen wir aber unverzüglich in die verlängerung und fahren in einer vierten woche hinauf nach norden, in den argentinischen pantanal und zu den iguazú-wasserfällen.  wir melden uns dafür wieder hier. 

bis dahin alle guten wünsche über den großen teich und ganz liebe grüße aus der ferne,
thomas
 

Mi.  8.12.10        Buenos Aires -  Ende Kernprogramm /
                       Beginn Verlängerung: Esteros de Iberá

liebe leute,
zwei abschließende tage lang erkundeten wir die argentinische hauptstadt buenos aires, eine 10-millionen-metropole mit dem flair von paris oder new york im sommer :) 

verschiedene, nacheinander entstandene stadtteile mit ihrer jeweils ureigenen kiezathmosphäre lassen die geschichte der stadt revue passieren, so im alten hafenviertel la boca und im edlen recoleta, im heute szenigen tangoviertel san telmo und im zentrum beim präsidentenpalast casa rosada. im altehrwürdigen café tortoni mit seinem wiener kaffeehaus-flair nahmen wir unseren kaffee, und am abschiedsabend des kernprogramms besuchten wir  - unvermeidlich bei einem besuch der tango-hauptstadt buenos aires -  die wohl beste tango-show der stadt, wo man uns die wechselhafte geschichte dieses eigentümlich melancholisch-erotischen tanzes, entstanden in den eher finsteren hafenvierteln der auswandererszene und erst über den erfolg in europa in die besseren kreise der argentinischen gesellschaft aufgestiegen, näher brachte.

schließlich verabschiedeten wir die  - in diesem fall den einen -  mitreisenden, der die iguazú-verlängerung nicht mitmachen kann:  er kehrte inzwischen wohlbehalten und ohne probleme heim, wie er uns soeben mittteilen konnte. 
                                                                                                                      
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wir anderen setzten die reise fort -  bzw begannen nun eine ganz und gar anders geartete reise:
nach der teils weißen, teils windigen patagonischen gletscherwelt erkunden wir nun den sommerlich warmen argentinischen norden mit seinen sumpfgebieten der esteros de iberá und den wasserfällen von iguazú.

eine nachtfahrt in einem äußerst komfortablen schlafwagen-bus brachte uns aus buenos aires weit nach norden, nach mercedes am rande der esteros, wo uns einige allrad-jeeps erwarteten, die uns mitten hinein in die sümpfe zur isoliert gelegenen colonia pellegrini brachten, einige hundert kilometer von der nächsten menschlichen siedlung entfernt. 

in einem hübschen farmhaus der kolonie untergebracht, unternahmen wir kleinere fuß- und bootswanderungen durch die sümpfe und beobachteten - insbesondere in der abenddämmerung - eine nicht für möglich gehaltene menge interessanter tiere, die hier im halbaquatischen milieu auf zum teil schwimmenden inseln leben: jede menge wasserschweine und kaimane  - die uns völlig angstfrei nahe kommen ließen -, auch der wunderschöne sumpfhirsch, dazu brüllaffen und eine unvorstellbare anzahl verschiedenster wasservögel, unter anderem größere storchenschwärme, rosa löffler, ibisse und sogar weißkopf-fischadler, etc.pp.. 

bei leckerem essen in der bauernstube, umsorgt von "oma" und sogar mit etwas willkommener freizeit nach so viel straffem programm der letzten tage, erholten wir uns prächtig und stimmten uns auf unser letztes abenteuer dieser reise ein: den besuch der weltberühmten wasserfälle von iguazú..

dafür brachten uns die jeeps heute hinaus aus den sümpfen nach posadas, der trubeligen hauptstadt der provinz misiones, wo ich im stadthotel an der plaza gerade diese zeilen in die tasten haue. morgen früh geht es dann zu den jesuiten-reduktionen ("missionen"), einer edelstein-mine und schließlich nach puerto iguazú im äußersten norden argentiniens an der dreiländergrenze zu paraguay und brasilien, wo wir dann endlich die wasserfälle besuchen werden. 

dazu dann später mehr,
bis dahin ganz liebe grüße aus dem südsommer, 
thomas
 

Sa.  11.12.10        Jesuiten-Missionen,  Wasserfälle von Iguazú

liebe leute,
nun haben wir also auch den letzten teil unserer insgesamt vierwöchigen südamerika-reise erfolgreich hinter uns gebracht:

mittwoch früh holte uns ein bus vom hotel in posadas ab und brachte uns weitere 300 kilometer nach norden. dabei besuchten wir zunächst die besterhaltene jesuiten-mission der gegend, san ignacio mini:  hier haben die jesuiten ab anfang des 17. jahrhunderts die zuvor frei ("wild") im busch lebenden guaraní-indianer in sogenannten reduktionen zusammen gefasst und ihnen handwerk und bauernarbeit beigebracht, und sie so dem zugriff der sklavenjäger entzogen, die stets auf der suche nach frischem menschenmaterial waren, um die weitläufigen estancias der großgrundbesitzer mit billigen arbeitskräften zu versorgen. die wie kommunen bestens organisierten reduktionen blühten auf und wuchsen auf mehrere tausend indianische bewohner an  - immer geführt von zwei padres des jesuiten-ordens.   das schmeckte freilich den latifundistas (spanische großgrundbsitzer) nicht, die sich um ihre arbeitkräfte betrogen sahen: sie schwärzten die jesuiten nachdrücklich beim spanischen könig an, bis der an revolutionäre umtriebe glaubte und die jesuiten ende des 18. jahrhunderts des landes (und aller kolonien) verwies.  von den padres stets in patriarchalisch-fürsorglicher abhängigkeit gehalten, konnten die indianer sich nicht selbst verwalten, sondern gingen zurück in den busch, so dass die reduktionen in kurzer zeit verfielen und vom urwald überwuchert wurden.

nach dem ausführlichen besuch der heute weitgehend freigelegten ruinen reisten wir weiter und besuchten nun die edelsteinminen von wanda, wo in den 1930'er jahren am ufer des paraná-flusses einige bis dato arme familien beim wäsche-waschen im fluss amethyst-splitter fanden und bis heute - bereits in dritter generation -  in handarbeit die edelsteine aus einer alten basaltdecke unter der roten erde fräsen. an den zufahrststraßen werden bruchstücke der blauen kristalle von kindern zu geradezu lächerlich niedrigen preisen angeboten..   

schließlich erreichten wir pto. iguazú im äußersten nordosten argentiniens:  im smaragdgrünen urwald am dreiländereck argetinien-brasilien-paraguay gelegen, wo wir in den häusern der ersten hostería des ortes, einer netten unterkunft im wald vor der stadt, wohnen.  gestern überquerten wir die grenze nach brasilien und näherten uns den gewaltigen wasserfällen des río iguazú, wo der fluss auf 3 kilometer breite in über 200 wasserfällen in zwei 70-meter-stufen vom erdgeschichtlich uralten brasilianischen basaltschild abstürzt in die jüngere vorgelagerte ebene.  ein überaus beeindruckendes bild, wie die wassermassen über die kante donnernd in die tiefe stürzen.

heute näherten wir uns den fällen von der argentinischen seite (die brasilianisch-argentinische grenze führt genau durch die fälle)  und konnten so bis direkt zur abbruchkante gelangen: eine wanderung führte uns durch primären urwald voller affen und anderer tiere, wie warane, yacarés (kleine kaimane), yacutingas (bunte wilde truthähne)  -  natürlich gibt es hier auch jaguare und beuteltiere wie opossums. mit booten fuhren wir dann direkt unter die tosenden wasserfälle, und auch von oben konnten wir uns den in den "teufelsschlund" stürzenden wassermassen nähern und konnten so - umhüllt von einer warmen gischtwolke - bestaunen, wie sich der fluss donnernd und fauchend in das tiefland ergießt. ein gewaltiges, absolut unvergleichliches, völlig unvergessliches bild !!  wir wurden dabei mehrfach komplett durchnässt:  bei der bootsfahrt unter den fällen; von der gischt am teufelsschlund; und von einem gehörigen wolkenbruch während der wanderung.. 

dieses letzte abenteuer war sicher ein gelungener und angemessener abschluss dieser an highlights überaus reichen reise !!  heute abend feierten wir die erfolgreiche durchführung und beendigung des kompletten programms in einem netten lokal  - wer hätte zuvor ernsthaft gedacht, dass dieses überaus umfangreiche und komplexe vierwochen-programm durch den gesamten süden des südamerikanischen halbkontinents mit seinen ungeheuren entfernungen und verschiedenen klimazonen so vollständig und vergleichsweise problemarm abgewickelt werden könnte..!!  :))

dazu hat - neben der guten zusammenarbeit mit den beteiligten dienstleistern -  freilich auch die stets gute und hilfreiche mitarbeit aller reiseteilnehmer beigetragen.  wir haben wirklich allesamt beste gruppenzusammenarbeit bewiesen, im allerbesten sinne des wortes. VIELEN DANK dafür jedem einzelnen mitreisenden an dieser stelle !!! 
 
morgen beginnt nun also die lange rückreise nach d-land: vormittags fliegen wir vom kleinen flughafen pto. iguazú nach buenos aires, verbringen dort den tag und werden die gruppe abends zum internationalen flughafen befördern, wo die teilnehmer die maschine nach europa besteigen und am sonntag im laufe des tages zuhause eintreffen werden -  toi toi toi..!!!

sobald die gruppe also auch diesen letzen tag bewältigt hat und endgültig auf dem heimflug ist, werde ich hier noch einmal eine entsprechende nachricht einstellen.
bis dahin vorerst alles gute und ganz liebe grüße zz. noch aus iguazú,
thomas
 

So.  12.12.10        Gruppen-Heimflug nach Europa

liebe leute,
nun ist die gruppe unwiderruflich auf dem heimweg:

heute morgen brachte uns unser bus zum kleinen flughafen von iguazú.
der flug hatte wg. eines bummelstreiks der argentinischen fluglotsen reichlich verspätung, so dass wir während der wartezeit am flughafen viel zeit zum vervollständigen unserer daten und tagebücher hatten.. 

irgendwann aber erreichten wir nach knapp 2-stündigem flug buenos aires, wo wir auf dem citynahen stadtflughafen aeroparque landeten.  da die eingeplante pufferzeit durch die warterei weitgehend verbraucht war, fuhren wir direkt zum internationalen flughafen  ezeiza weiter, wo wir noch etwas kaffeepause machten bis zur eincheckzeit.

als die gruppe schließlich an die schalter strebte, verabschiedeten sich thabi und ich von den reiseteilnehmern, um den (letzten) bus ins stadtzentrum von buenos aires zu erreichen: der weiterflug nach europa war nun   - allerdings auch hier mit einigen stunden verspätung -  garantiert.  inzwischen sind also alle unterwegs -  die verspätung wird durch die pufferzeit in madrid aufgefangen.

morgen (sonntag) im laufe des tages werden also hoffentlich alle teilnehmer wohlbehalten und halbwegs pünktlich zuhaus eintreffen und mir baldmöglichst einen erfolgsbericht der rückreise schicken.  wir werden diese berichte bei nächster gelegenheit auch hier kommunizieren.
GUTEN FLUG DERWEIL !!  :) 

wir zwei zurückbleiber fliegen nun morgen wieder nach lima, denn zu ihrem 20. geburtstag möchte meine tochter gern in der peruanischen küstenwüste sandboarden. danach verbleiben uns noch einige tage, die wir zum auskundschaften der noch fehlenden punkte für ein nord-peru-programm brauchen.           (
hier)

aber auch unsere gemeinsame zeit hier geht nun dem ende entgegen: 
weihnachten wollen wir noch zusammen verbringen  - doch dann trennen sich unsere wege für einige monate, die thabi bei einem straßenkinderprojekt in quito und ich mit der ausarbeitung neuer reiseideen auf la palma verbringen werden, bevor wir uns im laufe des nächsten jahres in ecuador wieder sehen.. 

wer mag, kann unsere reiseberichte
hier weiter verfolgen  - wir werden bei gelegenheit immer mal wieder was von uns hören lassen. bis dahin wünschen wir allen lesern eine schöne adventszeit,
thomas und thabi 
 

Kommentar:   Mo. 13.12.10         Urlaub
Hallo Thomas,
nachdem wir wohlbehalten zuhause angekommen sind, möchten wir dir nochmal für diese außergewöhnliche, überwältigend erlebnisreiche Reise danken.
Wir werden sie erstmal so langsam sacken lassen, denn die zahlreichen gesammelten Eindrücke müssen wir erst noch verarbeiten.
Viele liebe Grüße aus dem - 7 Grad kalten Oberhausen
Elfriede und Michael

hier gehts weiter:
2. Erkundung Nord-Perus                                                                                   nach oben

 

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