|
--> zurück Reisetagebücher Gruppenreisen Fotoalbum
Nicaragua; Costa Rica; Panamá; Kuna Yala
Freundeskreisreise in 3 Länder Zentralamerikas
Freitag 25.08.06 Nicaragua nun endlich der versprochene erste bericht aus nicaragua:
es geht uns allen gut, sehr gut sogar, und wir haben schon sehr viel erlebt. die gruppe ist sehr nett und gut zusammen gewachsen - ohne dass es besonders "zusammenschweissender" erlebnisse bedurft haette - ihr wisst was ich meine... ;-)
die anreise verlief wie geplant - und das war diesmal etwas umstaendlicher als sonst, wo man gleich bis managua durchflog: in san jose de costa rica mussten wir erst mal raus und in der costaricanischen hauptstadt uebernachten, weil es keinen erreichbaren anschlussflug am selben tag mehr gab. so lernten wir halt auch noch san jose kennen, eine recht gemuetliche zentralamerikanische hauptstadt.
am naechsten tag erreichten wir dann mittags mit einem interessanten flieger - kleine propellermaschine, die uns relativ tief ueber die nicaraguanische landschaft und den grossen nicaragua-see flog - die nica-hauptstadt managua, die wir gleich erkundeten, bevor es nach granada, der aeltesten kolonialstadt amerikas (!!) direkt am grossen nicaraguasee weiterging. hier checkten wir in der posada don alfredo ein, dem einzigen echten kolonial-hotel in nicaragua mit wunderschoenem patio und interessanter einrichtung in den alten grossen zimmern. damit verbudnen war dass wir teilweise in mehrbettzimmern unterkamen, was aber unseren freundeskreis nciht wriklich erschuettern konnte.. so wuchsen wir recht bald in wunderschoener kolonialer atmosphaere zu einer eingeschworenden gruppe zusammen... don alfredo ist ein deutschstaemmiger auswanderer, der sich hier perfekt auskennt und die leute vom typ her teilweise sehr an ernest hemingway erinnerte...
am folgenden tag erkundeten wir granada: im verlgeich noch zum vorjahr inzwischen wunderschoen renoviert und restauriert ein echtes kleinod lateinamerikanischen kolonialstils, uebertroffen hoechstens noch von trinidad auf cuba. der wirklich sehr authentische fisch- und fleischmarkt war einigen fast ZU authentisch ;-), aber voller ambiente und fotomotive..
nachmittags liessen wir uns von taxi-kutschen zum kleinen hafen am grossen nica-see "cocibolca" bringen, um mit einem boot entlang des weithin sichtbaren vulkans mombache auf den see hinauszusteuern. dieser inzwischen als erloschen geltende vulkan hatte in praehistorischer zeit einen sehr explosiven ausbruch und sprengte dabei einen grossteil seiner kuppe weg, die als vulkanischer auswurf teilweise im see landete und dort im flachen wasser hunderte von inselchen bildete. durch diese heute dichtbewachsene inselwelt steuerten wir hinaus ins offene wasser, um zur isla el muerto (etwa "toteninsel") zu gelangen. diese nur von einer indianerfamilie bewachte insel gilt den ureinwohnern nahc wie vor als heiligtum: ein indianerjunge fuehrte uns auf die hoechste spitze der insel, wo er mit einem zweig laub vom boden wischte und eine unzahl praehistorischer petroglyphen freilegte samt kleiner kreisrunder loecher. die petroglyphen stellen eindeutig sehr stilisierte menschen dar, wir identifizierten z.b. eine vorlage zu munks "schrei" und andere fast modern anmutende ritzungen. dieser platz wurde von den ureinwohnern als opferstelle genutzt, einschliesslich menschenopfern, deren herzen in den runden loechern hinterlegt wurden..
wir betrachteten entsprechend ehrfuerchtig die szenerie einschliesslich ihrer umgebung und des fantastischen blicks auf den vulkan in der ferne, opferten einige kekse und stiegen schliesslich wieder ab, wo einige von uns noch ein rituelles bad im badewannenwarmen see anfuegten..
nach der rueckfahrt liessen wir uns in einem einheimischen lokal einen unglaublich leckeren aus dem see stammenden raubfisch servieren, der uns noch auf dem teller mit piranha-artigen zaehnen eindrucksvoll anbleckte..
tags darauf besuchten wir zunaechst den markt von massaya im gleichnahmigen ort am fusse des immer noch gleichnamigen aktiven vulkans. dieser ort ist beruehmt, weil hier in den 70îgern ein erster aufstand gegen den blutruenstigen diktator somoza losbrach, den dieser mit einem bombenhagel auf die stadt beantwortete. aus diesem krieg gegen das eigene volk entwickelte sich dann bald die sandinistische revolution von 1979.. auf diesem markt gibt es unter anderem die wohl besten und preiswertesten haengematten des ganzen amerikanischen kontinents..
oben am kraterrand des massaya-vulkans schauten wir in den heftig dampfenden maechtigen schlund des hauptkraters. in den tiefen des kraters kann man - sofern der dampf das zulaesst - einen rotgluehenden lavasee brodeln sehen. deshalb haben schon die spanier an seinem rand ein grosses holzkreuz aufgestellt, um den teufel daran zu hindern, aus diesem hoellenschlund in die welt heraus zu kommen...
im krater nisten gruene papageien, die sich an die gase entsprechend gewoehnt haben - eine weltweit einmalige anpassungsleistung so hoher tierarten. in der naehe stiegen wir in einen kilometerlangen lavatunnel ein, der von fledermaeusen bewohnt ist und hoerten hier gruselige geschichten von indianern, die hier ebenfalls menschenopfer darbrachten, in zeiten heftiger eruptionen, um den zorn des vulkans zu saenftigen. waehrend der revolution liess die somoza-nationalgarde hier im tunnel auch gefangene erschiessen und hernach (gern auch noch lebend) von helikoptern in den lavasee des vulkans abwerfen, um sie spurlos verschwinden zu lassen..
spaeter unternamen wir noch eine wunderschoene wanderung rund um den benachbarten fernandez-krater, bei der wir bei teils fantastischer fern- und tiefsicht von hunderten (!!) geiern begleitet wurden.
am folgenden tag liessen wir uns von allrad-armeelastwagen auf den mombache-vulkan bringen, um in seinen hoeheren lagen eine wanderung durch dampfenden berg-regenwald zu hessen schwefelgas-fumarolen zu unternehmen. die fumarolen sind fuer viele vulkanologen der schlagende beweis dafuer, dass dieser vulkan mitnichten erloschen ist..
danach liessen wir es uns an den ufern des kratersees apoyo gutgehen - einige gingen wieder im warmen mineralischen wasser baden, und es gab gut zu essen...
gestern dann verliessen wir die schoene stadt granada, unser malerisches quartier und unseren freundlichen wirt und fuhren auf der landenge zwischen grossem nicaragua-see und pazifischem ozean nach san juan del sur, einem langsam fuer den einheimischen tourismus erwachenden fischerdorf an einer wunderschoenen fast kreisrunden bucht, umrahmt von gruenen huegeln und mit flachem weitem strand. hier begruessten wir zum ersten mal den pazifik - fuer einige teilnehmer tatsaechlich die erste begegnung mit diesem groessten ozean der erde. ein strandspaziergang und ein imbiss in einer der zahlreichen palmengedeckten strandbars liess uns bald wieder richtig munter werden. das hotel hier entschaedigt uns mit vielen zimmern , auch einzelzimmern, fuer die relative enge im vorigen quartier.
heute organisierten wir einen bootsausflug entlang der pazifische kueste zu einigen abgelegenen straenden, der von den teilnehmern wohl sehr gut aufgenommen wurde. ich selber blieb im ort, um endlich meinem versprechen nachzukommen und diesen bericht zu schreiben. aber das waere so ja viel zu einfach, und deshalb gefiel es den umstaenden, einen ganztaegigen stromausfall einzulegen, so dass ich jetzt - statt gemuetlihc mit den anderen zu abend zu essen - den gerade im rechten abendessen-augenblich wieder eingeschalteten strom zu nutzen und nun am abend wie besessen in die tastatur zu hauen...
aber jetzt ist hier eh schluss, ich muss hier raus aus dem internet-cafe, werde nun mit den spaetsitzern noch einen wohlverdienten absacker verdruecken, bevor es morgen sehr frueh ueber die grenze nach costa rica geht.
wir wuenschen allen lesern dieser berichte alles gute, versichern dass es uns auch gut geht, und dass wir uns beizieten wieder melden werden, sofern es die elemente zulassen.
bis dahin ganz liebe gruesse nach europa von der ganzen gruppe aus nicaragua, einem land, dass wir gern kennen gelernt haben und dessen freundliche bewohner uns in erinnerung bleiben werden.
nach oben Costa Rica Freitag, 1.09.06 liebe leute,
heute nun soll der zweite eintrag, naemlich der bericht ueber unsere reise durch costa rica, folgen:
am samstag letzter woche brachten uns ein microbus fuer die gruppe und ein pick-up fuers gepaeck in flotter fahrt entlang dem grossen nicaragua-see aus unserer pazifischen badebucht san juan nach peñas blancas, einem recht rustikalen zentralamerikanischen grenzort nach costa rica. zu fuss ueberschritten wir die grenze und trafen auf der anderen seite unseren bus fuer die naechsten tage mit marvin, unserem neuen fahrer, einem hilfsbereiten und emsigen "tico" (so nennen sich die costaricaner) mit viel eigeninitiative, dem wir insgesamt viele interessante eindruecke entlang der landstrassen verdanken.
zunaechst rumpelten wir auf uebler piste zum rincón-de-la-vieja-vulkan, an dessen fuss wir eine wanderung mit fantastischen blicken hinaus ins gruene tiefland costa ricas unternahmen. die wanderung fuehrte uns zu einem wasserfall und durch baeche vulkangeheizten warmen wassers, ideal zum duschen und baden, hin zu kochenden und fauchenden schlammtuempeln, die blubbernd und spritzend ihren heissen gruss verspruehten.
die nacht verbrachten wir in einem erstaunlich ruhigen truckergasthof an der panamericana in liberia, der cowboy-gepraegten hauptstadt der rinderzucht-provinz guanacaste.
der folgende sonntag begann mit frueher abfahrt und dem besuch eines tier-rettungs-projekts, wo illegal gewilderte artengeschuetzte tiere gesammelt und zur wiederauswilderung vorbereitet und erzogen werden. das ist komplizierter als gedacht, da die tiere laengere zeit gefuettert wurden und so eigene suchreflexe aufgegeben haben, zudem die reviere in freier wildbahn im allgemeinen von rivalisierenden artgenossen besetzt sind.
nun fuhren wir hinauf in die gruenen berge der zentralkordillere nach monteverde, dem beruehmten ersten nationalpark costa ricas. hier begannen schon in den 50iger jahren eingewanderte amerikanische quaeker ihre ungenutzten laendereien zu schuetzen. zum aufkauf weiterer gebiete wurde weltweit gesammelt, vor allem auch an schulen, so dass der entstandene nationalpark "el bosque eterno de los niños", also etwa "ewiger kinder-regenwald" genannt wurde. um die im gegensatz zum relativ lichtarmen boden lebenspralle baumkronenregion ("canopy")in den baumwipfeln untersuchen zu koennen, wurden von wissenschaftlern plattformen in den wipfeln angebracht, die sie mit stahlseilen verbanden und sich dann an rollen von baum zu baum bewegten.
heute sind die wissenschaftler laengst weitergezogen, aber die idee dieser fortbewegungsart in der canopy hat sich gehalten und weiterentwickelt: nun bewegen wir uns auf diese art durch die oberen regionen des regenwaldes. man kann die dicht mit epiphyten wie farnen, philodendren, bromelien und orchideen bewachsenen hauptbaeume ganz hervorragend aus unmittelbarer naehe beobachten - und nebenbei ist es ein ganz gewaltiger spass, hoch ueber dem urwaldboden so durch die natur zu flitzen...
spaeter checken wir im gemuetlichen hotel el sueño ein, lassen uns hervorragend bekochen und besuchen auch noch ein serpentarium, in welchem wir die in der region vorkommenden giftigen und ungiftigen schlangen in sicheren terrarien beobachten koennen. der abend findet uns im hauptort santa elena in einer bar, die in eine gewaltige baumkrone integriert wurde..
am montag steigen wir aus dem bergen herab ins zentrale hochland: smaragdgruene urwaldbedeckte huegelkuppen, so weit das auge reicht, dazwischen blitzt bereits das blau des arenalsees. an seinen ufern wartet leander mit einer herde pferde: der weitere weg wird auf dem pferderuecken zurueckgelegt..!!
wieder ein riesenspass, auch wenn einige zunaechst unsicher sind, ob die pferde wissen, wo sie hin wollen. zum glueck sind die viecher intelent, und nach 5 minuten reit-einfuehrung machen sich alle unverzagt auf den weg.
einige stunden reiten wir mal im schritt, mal im trab, manchmal sogar im galopp am herrlichen seeufer entlang auf den gegenueber liegenden arenal-vulkan zu. ein uvergleichliches schauspiel bietet sich uns: der vulkan, der seit 1968 ununterbrochen aktiv ist und seither um 500 meter gewachsen ist, liegt im klaren sonnenlicht vor uns. an seiner spitze tritt immer wieder ein woelkchen aus, von zeit zu zeit ist die spitze davon sogar komplett umhuellt. an seinen seiten koennen wir dann eine rauchbahn verfolgen: gluehende lavabrocken, die der krater auswirft, kollern an seinen flanken bergab...
schiesslich erreichen wir das boot des faehrmanns, der im schilf auf uns wartet. jetzt fahr`n wir ueber`n see, denn auf der anderen seite erwartet uns marvin mit bus und gepaeck. und eine komplette familie niedlicher nasenbaeren, die uns die letzten kekse aus der tasche lockt...
spaeter entspannen wir unsere strapazierten hintern in den vulkangeheizten wassern einiger thermalquellen am fuss des munter lavaspeienden arenal-vulkans. wir uebernachten heute in huetten mit freier sicht auf seine feuerrutsche und beobachten nachts von der terrasse aus die nun rotgluehende spitze des vulkans und die zu tal kollernden lavabrocken, die rot leuchtende spuren in die nachtschwarzen flanken graben...
am naechsten morgen - dienstag - kaufen wir im staedtchen fortuna proviant fuer den folgenden reiseabschnitt: heute geht es hinab ins karibische kuestentiefland in den weltberuehmten tortugero-natinalpark. unterwegs beobachten wir leguane, die faul in den baumwipfeln an einem schaeumenden bergbach abhaengen - wir sind mit ihnen auf augenhoehe, denn wir stehen auf einer strassenbruecke ueber den fluss...
wo die strasse im urwald endet, da wartet hartmut, der besitzer der kahlua-lodge, mit einem boot auf uns. mehrere stunden lang geht es nun mit der lancha, vollgepackt mit uns und unserem proviant fuer die naechsten tage, durch den karibischen kuesten-dschungel in seine einsam in der naehe der nicaraguanischen grenze liegenden lodge. als wir sie erreichen, wird es bereits dunkel. kurz gehen wir auf der gegenueberliegenden seite aus der lodge heraus - und stehen unvermittelt an der karibischen kueste. die lodge liegt auf einer schmalen landzunge zwischen samay-fluss und karibik.
garfield, ein hier haengen gebliebener kurioser amerikaner, macht den barkeeper, waehrend der junge tico holger (er heisst wirklich so) das maedchen fuer alles spielt und abends mit uns im schein der taschenlampen noch eine strandwanderung unternimmt. wir sehen alles moegliche, aber leider nicht das, weshalb wir ausgezogen sind: es ist gerade die zeit, in der die gruene meeresschildkroete nachts ihre eier an diesen kuesten legt, aber heute nacht finden wir (im gegensatz zum vorjahr) keine...
die zimmer sind einfach, aber zweckmaessig eingerichtet. die muecken werden von hauseigenen riesigen spinnen beseitigt. jedenfalls sitzt so ein tier von mindestens 20 cm durchmesser im bad eines zimmers. die bisse einer solchen tarantel sind nicht toedlich, koennen aber schmerzhafte entzuendungen hervorrufen. also setzte ich sie vorsichtig raus.
allerdings nicht ohne sie zuvor mit einem latschen gebuehrend erschlagen zu haben. oder meint jemand, ich fasse so ein vieh freiwillig an..??!!
ich teile mein zimmer mit einem echten vampir. das ist eine nicht ganz kleine fledermaus, die davon leben soll, dass sie anderen tieren blut absaugt. tatsaechlich leben sie nur in der groessten not von dieser methode, da die tiere, denen sie das blut absaugen wollen, im allgemeinen groesser und staerker sind als sie. dafuer kann ein vampir pro nacht bis zu 30.000 muecken vertilgen. entsprechend mueckenfrei sind unsere zimmer am folgenden morgen...
an diesem morgen beginnen wir den tag mit einer kanu-uebung und einer wanderung durch den urwald. unter anderem sehen wir papageien und lauter kleine rote pfeilgiftfroesche. deren hautsekret ist aeusserst giftig, sofern es in die blutbahn geraet. aber auf der blossen haut sind sie ungefaehrlich, man kann sie also unbesorgt auf die hand nehmen. ein mit ihrem hautsekret benetzter blasrohrpfeil aber koennte auch einen menschen toeten (wird aber von den indianern eher zur affen- und vogeljagt verwendet..)
nachmittags testen wir unsere neuen kanu-kenntnisse und paddeln durch enge urwaldkanaele zu einer stillen schwarzen lagune. bruell- und spinnenaffen begleiten uns mehr in hoehr- als in sichtweite, aber die atmosphaere zwischen den dunklen ueberwucherten baumriesen ist unvergleichlich..
abends unternehmen wir auch noch eine kanu-nachtfahrt, um die vielfaeltigen interessanten urwald-geraeusche ueber den stillen dunklen gewaessern in uns aufzunehmen.
gestern frueh verliessen wir die lodge, und hartmut brachte uns wieder zur strasse, wo schon marvin mit dem bus wartete. die naechste station ist nun puerto viejo de talamaca oder old harbour, wie der ort hier eher heisst. denn die karibische kueste ist vornehmlich von jamaikanischen schwarzen einwanderern bevoelkert, die ihre englische pidgin-sprache mitbrachten. es ist gerade der "tag der schwarzen", ein regionaler feiertag: in limón, dem einzigen karibischen ueberseehafen des landes, begleiten wir einge zeit rhythmusstarke umzuege der einheimischen schwarzen bevoelkerung in ihren farbenfrohen trachten.
abends geniessen wir ein vorzuegliches essen in einer der huetten, in der hier an der costaricanischen karibikkueste easy living angesagt ist und backpacker aus aller welt gern mal ein paar wochen oder auch fuer immer abhaengen...
heute unternahmen wir eine wanderung entlang des karibischen kuestenurwalds an traumhaften straenden, die wir auch entsprechend nutzten. ein bilderbuch wird wahr: weisser feinsandiger strand, an den die seichten wellen der blauen karibik schlagen, dahinter wiegen palmen im wind vor der sich dann fortsetzenden urwaldkulisse... das wasser ist warm und klar, und in den baeumen schaukeln immer wieder horden von bruell- und weisskopf-affen oder doesen faultiere in absoluter bewegungslosigkeit...
so, liebe leute, das war`s vorerst wieder von hier. morgen geht es ueber die grenze, die der sixaola-fluss bildet, weiter nach panama. aber davon naechste woche mehr...
bis dahin wollen wir allen interessierten versichern, dass es uns allen gut geht und bislang keine verluste zu beklagen sind. wir gruessen von hier aus alle unsere lieben und freunde und alle sonstigen interessierten und wuenschen euch alles gute.
nach oben Panamá Freitag, 08 Sep 2006 Liebe Leute,
am Vorabend der Abreise der Gruppe, folgt hier der dritte und vorläufig letzte Gruppenbericht unserer Reise durch die drei Länder des südlichen Zentralamerika, hier nun aus Panamá und Kuna Yala:
Wir liegen faul in der Hängematte unter Palmen und dösen, lesen und schwatzen einfach ein wenig miteinander. Um uns herum nix als einige weitere Palmen, wenig palmblattgedeckte Bambushütten und strahlend weißer Sand, kaum hundert Meter in der Länge: Eine winzige Insel im San-Blas-Archipel, eine von hunderten ringsum, jede einzelne wie aus einem Schiffbrüchigen-Comic. Sanft schlagen die kleinen Wellen der spiegelglatten, türkisblauen Karibik ans Ufer direkt unter der Hängematte. Wir sind gehüllt in unwirklich weiches Licht, bunte Vögel zwitschern in den Palmenkronen zwischen Kokosnüssen, und winzige Geckos klettern mit großen Augen neugierig die Stämme entlang. Durch die stille See paddelt mit ruhig kraftvollem Schlag ein Indianer in seinen Einbaum, Kurs direkt ins Blaue „geradezu idiotisch romantisch“, lässt sich Grupenrealo Peter, trotz aller Coolness offenkundig zutiefst beeindruckt, staubtrocken vernehmen...
Der von den Kuna, einem traditionell lebenden karibischen Indianervolk, in relativer Autonomie verwaltete und von ihnen „kuna yala“ genannte San-Blas-Archipel vor der unberührten regenwaldbewachsenen Nordküste Panamas gilt als abgelegen und schwer erreichbar. Uns hat die Anreise aber Spaß gemacht: Am Morgen holte uns unser Fahrer Gustavo früh um 4:30 Uhr vom Hotel ab und brachte uns zum Flughafen Albrook, dem früheren amerikanischen Armeeflughafen der Kanalzone und heutigem
Panameischen Regionalflughafen nahe der Stadt. Ein halbstündiger Flug in einem kleinen Buschflieger über zunächst noch landwirtschaftlich genutzte Fincas, ab der Wasserscheide des zentralen Höhenzuges aber unberührte Urwald, bringt uns in diese Parallelwelt außerhalb von Zeit und Wirklichkeit. Wir landen auf einem Flugfeld unmittelbar an der sumpfigen Nordküste, wo uns Ernesto und Miguelino, zwei Kuna empfangen und direkt in ihrem Einbau platzieren. Eine weitere gute halbe Stunde geht es nun im ersten Sonnenlicht hinaus in die ruhige blaue See durch den der Küste vorgelagerten Archipel, auf den sich die Kuna schon vor Jahrhunderten vom Festland kommend zurückgezogen haben, um sich vor den Spaniern in Sicherheit zu bringen.
Angefangen hatte unser panamaisches Abenteuer aber schon einige Tage zuvor: Nach unserer frühmorgendlichen Abreise aus dem bunten Stranddorf Puerto Viejo in Costa Rica letzte Woche, machten wir einen ersten Kaffee-Stop in der Reservation der freundlichen Bribri-Indianer, einem sauberen und ganz zivilisiert wirkenden Örtchen in den Talamanca-Bergen. Diese Indianer arbeiten hauptsächlich in den riesigen Chiquita- und Dole-Bananenplantagen, durch die wir anschließend fahren. Wir besichtigen spontan eine der Verpackungsanlagen, wo die Bananenstauden in kurzgekuppelten Zügen an Seilbahnen hineingezogen werden, dort zerteilt, selektiert, gewaschen, etikettiert und verpackt werden, bevor sie in Kisten dicht verpackt in Übersee-Containern verschwinden und von riesigen Trucks auf rumpelnder Piste direkt zum Überseehafen Limòn gebracht werden.
In Sixaola am gleichnamigen Fluss verabschieden wir uns von unserem hilfreichen Tico-Busfahrer Marvin und manövrieren unser Gepäck über eine malerische alte Eisenbahn-Stahlbrücke hinüber nach Panama, wo uns nach kurzer Grenzabfertigung Papito, ein riesiger schwarzer Pickup-Fahrer, in Empfang nimmt und nach Verladen des Gepäcks auf immer noch rumpelnder Piste zu einem abgelegenen Anleger bringt, wo ein Schnellboot schon auf uns wartet. Ein adrenalinfördernder wilder Ritt, zunächst durch Mangrovensümpfe, und dann über die offene See, bringt uns zur Insel Bocas del Toro, einem malerischen Ferienort für Einheimische, wo schließlich eine alte Propellermaschine unseren Luft-Weitertransport nach Panama-City ermöglicht.
Hier werden wir in Albrook von Gustavo erwartet, der uns mit seinem Bus – nun schon bei Dunkelheit - in unser kleines Stadthotel im lebhaften Panama-Stadtteil Calidonia bringt. Ein vielseitiger Reisetag mit den verschiedensten Verkehrsmitteln geht zu Ende...
Am nächsten Morgen bringt Gustavo uns zunächst nach Gamboa, einem Anleger am weltberühmten Panamakanal, den wir in kleinen Booten denselben erkunden wollen. Entgegen den Erwartungen handelt es sich bei diesem Kanal nicht um eine technisch wirkende schmale Wasserstrasse durch den zentralamerikanischen Isthmus, sondern eher um einen riesigen See mit vielen Inseln mitten im dichten Dschungel, durch den der markierte Kanal führt. 1914 wurde der Kanal fertiggestellt: Man hatte den Rio Chagres mittels mehrerer Schleusen aufgestaut und so einen künstlichen See, den Gatún-See geschaffen. Nur ein Teilstück durch einen Höhenzug, der „corte culebra“ (etwa „Schlangen-Durchstich“) musste richtig gegraben werden, hier wirkt der Kanal auch wie ein traditioneller Kanal.
Unsere Bootsfahrt bringt uns durch die Inselwelt des Gatún-Sees, unter anderem zur Affeninsel, wo uns die Affen fast ins Boot springen. Endlich sehen wir sogar ein Krokodil auf einer Sandbank, das aber bei unserer Annäherung noch lange vor Fotoeignung ins Wasser rutscht und vorsichtshalber verschwindet... Eine kurze Wanderung bringt uns zu einigen alten französischen Armeebaracken: Schon am Ende des 19. Jahrhunderts wollte der Suez-Kanal-Erbauer Ferdinand de Lesseps hier einen Kanal bauen, musste aber wegen des Sumpffiebers vorzeitig aufgeben. Die Baracken sind längst vom Urwald zurück geholt und komplett überwachsen, aber in den alten hohen Räumen leben unzählige Vampir-Fledermäuse. Eine Brüllaffen-Familie hat oberhalb in den Baumwipfeln Quartier genommen und bestaunt uns von oben genauso wie wir sie von unten...
Später besuchen wir am Corte Culebra die Miraflores-Schleusen. Wir beobachten die Schleusung eines Schiffes des norddeutschen Reeders Olendorf und betrachten das zugehörige Kanalbau-Museum, welches uns eine Anmutung der Strapazen des Baus vermittelt...
Nun fahren wir über die Amerikabrücke, eine Eiffel’sche Stahlkonstruktion, die nach der Zerschneidung des amerikanischen Kontinents durch den Kanal, die beiden Hälften wieder zusammenfügt, und besuchen die Altstadt Panamas, von der aus wir einen fantastischen Blick auf die Skyline der modernen Viertel mit ihren glitzernden Wolkenkratzern haben. Hier finden wir auch ein Lokal mit ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis, in welchem wir den ereignisreichen Tag angenehm beschließen.
Kuna Yala: nach oben Früh am folgenden Morgen beginnt unsere Reise in die karibische Traumwelt der Kuna-Indianer. Obwohl einige von ihnen durchaus geschäftstüchtig in Panama mit der modernen Welt mithalten, bevorzugen sie nach Rückkehr auf ihre Inseln durchweg ihren traditionellen Lebensstil: Die Männer fischen, kümmern sich um die auf den Festlandstreifen gelegenen Brandrodungs-Fincas und besorgen per Kanu das Trinkwasser aus dem sauberen Fluss Sidra, während die Frauen sich um die Familie, das Essen und die wirtschaftliche Grundlage kümmern: Sie sticken „molas“ genannte Handarbeiten, die sie direkt an uns oder an Zwischenhändler verkaufen. Dabei bestimmen sie die Preise und haben das Geld in der Hand.
Wer Kuna Yala besuchen will, kann nicht einfach einreisen, sonder muss sich mit den Sáhilas, den Häuptlingen oder Dorfältesten, ins Benehmen setzen, diese besprechen die Angelegenheit im „congreso“ genannten Ältestenrat, der dann seine Einwilligung gibt. Ohne diese schriftliche Bewilligung geht nichts..!! (Klar, dass wir so eine Genehmigung haben..)
Während unseres Aufenthalts im Kunaland besuchen wir ein Dorf der Kuna: Die Kinder haben uns schon vom Ufer ihrer dicht mit Bambushütten bebauten Nachbarinsel winkend empfangen – dennoch führt uns unser erster Weg zum Congreso, um dem Sáhila unsere Aufwartung zu machen. Dieser Congreso ist die größte Hütte und steht mit Mittelpunkt des Dorfes. Im Inneren ist es fensterlos dämmrig, Licht fällt nur durch die Spalten des Baumaterials, aber dafür ist es hier auch angenehm temperiert, viel besser als es in einem dumpfmoderigen, geschlossenen Betonbau wäre. Im Zentrum der Hütte hängen vier Hängematten, Vorrecht für die Dorfältesten. Rundherum stehen grobgezimmerte Holzbänke, auf denen die Dorfbewohner zu gegebenem Anlass Platz nehmen. Der Congreso dient als Kirche, Rathaus, Versammlungs- und Festhalle. Der Sáhila begrüßt uns mit würdigen warmen Worten, wir werden eingeladen, das Dorf nach Belieben zu besichtigen und evtl. einige Molas zu erstehen, um zum wirtschaftlichen Erfolg der Gemeinde beizutragen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, und bald wird munter verhandelt, um die schönsten Motive und angemessensten Preise...
Ein anderer Ausflug bringt uns zum Festland, wo wir durch Urwald und kaum zu unterscheidende Brandrodungsplantagen eine wahrhaft schlammige Wanderung zum Kuna-Friedhof unternehmen, (die Kuna leben nur auf den Inseln, das Festland dient ausschließlich der Versorgung der Inselgemeinde). Jegliche Beschuhung versagt hier komplett. Barfuss ist Gangart der Stunde. Einzig Trekkingsandalen versprechen einen gewissen Schutz, aber der schlammige Pfad ist weich und tiefgründig. Die Kuna begraben ihre Toten in drei-meter-tiefen Löchern, in welche sie die Hängematten mit den Toten aufstellen, diese mit Holz abdecken, und die Grube dann wieder zuschütten. So schläft der Tote in einem unterirdischen Hohlraum. Oben wird die Grube mit einer Erdwölbung verschlossen, die die Schwangerschaft des Toten (unerheblich ob weiblich oder männlich) ausdrückt: Er gebiert neues Leben im Himmel und wird von dort aus beizeiten auf die Erde zurück geboren.
Ein anderer Ausflug bringt uns nach Achutupu, einer weiteren Insel im Archipel. Vor ihrem Strand liegt ein gesunkenes Schiff, in dessen Wrack sich eine Unmenge bunter Riffische tummeln, ein beeindruckendes Erlebnis, ein Blick in eine weitere andere Welt...
Die Tage auf unserer Insel Kvanidup vergehen mit Baden im laufwarmen, kristallklaren Wasser und Schnorcheln durch die faszinierende bunte Welt des vorgelagerten Korallenriffs. Wer mag, kann sogar die Nachbarinsel Kvanidup-Chico schwimmend erreichen und dort das ultimative Robinsongefühl ausleben. Die Kuna versorgen uns täglich mit frischem Fisch, einschließlich Königskrabben und Langusten, dazu frischer Salat aus ihren Fincas und Süßwasser zum Duschen aus dem Fluss vom Festland. Selbstredend taugt eine Hütte als Strandbar und offeriert zu jeder Zeit auch heißen Kaffee und Tee sowie kaltes Bier und Mineralwasser, dazu frische Kokosnuss zum Trinken und Essen...
Des Nachts beleuchten ein prachtvoller Vollmond und ständiges geheimnisvolles Wetterleuchten am Horizont die unwirkliche Szene. Einmal erwischt uns ein gewaltiges Blitz- und Donner-Spektakel direkt über unserer Insel und lässt uns die Kräfte der Natur unmittelbar spüren. Die Kuna leben weiterhin traditionell, weil sie den Grund für ihr sorgenfreies Leben in der gottgefälligen Weise ihres Lebensstils vermuten: Solange sie ihre Hütten traditionell errichten, bleiben sie von Naturkatastrophen wie Hurrikans und Erdbeben verschont – tatsächlich leiden andere zentralamerikanische Regionen reichlich exakt unter diesen Erscheinungen.
Doch jeder Traum geht einmal zu Ende, und auch wir müssen eines Tages wieder zurück in die Wirklichkeit unserer hektischen Welt. So brachen wir früh, noch vor Sonnenaufgang, aber begleitet von einem grandiosen Vollmond in abermals unwirklicher Szenerie, in den Einbäumen auf und pflügten beim anbrechenden Tag durch die ruhige See Richtung Flugfeld, von wo uns bald und unvermeidlich der Buschflieger zurück in die Realität brachte. Als wir die himmelhohen Wolkenkratzer Panamas sehen, ist schier unbegreiflich, wie nah hier zwei so grundlegend verschiedene Welten beieinander liegen...
Z.Zt. ist die Gruppe zu Fuß in der hektischen Metropole Panama-City unterwegs, während ich hier wie verrückt in die Tasten haue, um vor dem Abschiedsessen fertig zu werden...
Nun ist bereits Abschiedstag, gestern reichte die Zeit doch nicht mehr:
Der letzte Tag wird verbracht mit Bummeln und letzten Einkäufen, bevor wir uns nachmittags treffen für die Fahrt zum außerhalb liegenden internationalen Flughafen Tocumen. Auf dem Weg dorthin werden wir noch die Ruinen der alten Stadt panama-la vieja besuchen: In dieser Stadt sammelten die Spanier ihre in der Neuen Welt geklauten Gold-und Silberschätze, bevor sie sie per Lastesel-Karawane auf die andere Seite brachten und von dort nach Spanien verschifften, bis der englische Pirat Henry Morgan die Stadt plünderte und komplett niederbrannte. Panama wurde daraufhin einige Kilometer nördlich an heutiger Stelle neu gegründet.
(Für Insider der letzten 3-Länder-Reisen: In Panama-viejo wurde der alte Kathedralen-Glockenturm nach Instandsetzung von seiner Einrüstung befreit; man kann nun hinaufklettern und von oben einen fantastischen Rundblick zur Küste und ins Land werfen. Bilder an den Fensterhöhlen vermitteln einen Eindruck von der Aussicht zur Zeit der Blüte der Stadt..).
Heute abend also endet unser zentralamerikanisches Abenteuer. Die Gruppe wird den Flieger nach Europa besteigen und morgen in der Heimat eintreffen. Drei Wochen voll fantastischer, einmaliger Eindrücke bleiben uns für immer erhalten...
Ich selber werde noch einige Tag in der Stadt bleiben, bevor ich nach Peru und Bolivien weiterreise, um dort unsere fürs nächste Jahr geplante Expedition nach
Tawantinsuyu ins Reich der Inkasonne vorzubereiten. Wer mag, kann diese Erkundungsexpedition hier weiter mitverfolgen, denn ich denke, dass ich dieses Reisetagebuch weiterhin ca. wöchentlich aktualisieren werde.
Bis dahin grüßen alle Reiseteilnehmer ihre Lieben daheim und freuen sich auf ein baldiges gesundes Wiedersehen. Auch ich wünsche euch alles Gute und sende euch ganz liebe Grüße noch aus Panama
Thomas
Erkundungs-Tagebücher des Darién Gap und Peru-Bolivien nach oben
|