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Reisetagebuch unserer
Familien- und Freundeskreisreise Ecuador
Samstag 8.10. - Sonntag 24.10.10
Quito; Amazonien; Chimborazo; Pazifik; Rückflug
Do. 7.10.10 Reise nach Ecuador
liebe leute, inzwischen sind thabi und ich nach unserer peru-bolivien-reise in ecuador eingetroffen - nach 30 stunden busfahrt von lima nach guayaquil durch die gesamte peruanische küstenwüste nach norden, sowie weitere 10 stunden durch smaragdgrüne vegetation von guayaquil, der ecuadorianschen hafenstadt am pazifik, nach quito, der hoch in den anden gelegenen hauptstadt ecuadors.
die lage im land hat sich nach dem gescheiterten putschversuch von letzter woche - wie uns ja schon signalisiert worden war - wieder völlig beruhigt, es sind nicht einmal vermehrt polizisten oder militär auf den straßen zu sehen. in unserem bus von guayaquil rauf nach quito reiste auch eine deutsche jugendgruppe mit ihren lehrern mit, die hier einen sportwettkampf-schüleraustausch machen, mädchen und jungen im alter von 13 bis 15 jahren, die am montag frisch eingetroffen waren. ein lehrer erzählte uns, dass die eltern der kids natürlich erst mal bedenken hatten wegen der nahen zeitlichen folge der reise auf den putschversuch, sie aber nach der positiven stellungnahme der deutschen botschaft in ecuador schließlich doch alle hätten reisen dürfen.
wir sind hier im hause der familie eines einheimschen freundes überaus freundlich, ja geradezu liebevoll aufgenommen worden und haben nun noch zwei tage, um die am samstag eintreffende familiengruppe abschließend vorbereiten zu können.
ganz liebe grüße nach daheim senden euch thomas und thabi
So. 10.10.10 Ankunft Familien- und Freundesgruppe in Quito
liebe leute, heute früh ist nun unsere lang erwartete familien- und freundesgruppe pünktlich und vor allem fröhlich (!!) einschließlich sämtlichen gepäcks auf dem flughafen von quito eingetroffen.
da zu dieser frühen stunde das hotel die zimmer noch nicht freigegeben hatte, nutzten wir den gruppenbus zu einer fahrt zur "mitte der welt" (mitad del mundo), der stelle einige kilometer nördlich von quito, wo vor über 200 jahren der äquator zum ersten mal von einer wissenschaftlichen expedition vermessen wurde. dankenswerter weise markiert hier ein gelber strich die äquator-linie, so dass man schöne fotos machen kann mit je einem bein in nördlicher und südlicher hemisphäre ;-)
mit hilfe einiger experimente zur genauen position des äquators und der durch die erdrotation auftetenden koriolis-kräfte wurde unsere situation auf dieser durchaus besonderen, zugleich unsichtbaren jedoch spürbaren linie deutlich gemacht. diese korioliskräfte bewirken, dass z.b. wirbelstürme auf der südhalbkugel im uhrzeigersinn drehen, auf der nordhalbkugel entgegen dem uhrzeigersinn. am äquator selbst aber gibt es erstaunlicherweise keine stürme, da sich die gegenläufig wirkenden korioloskräfte beider hemisphären am äquator gegenseitig aufheben und quasi zur ruhe kommen. (ich fürchte allerdings insgeheim, dass die klimaveränderung sogar solche "ewigen" sicherheiten irgendwann auflöst..)
nach einchecken ins hotel unternahmen wir sogleich einen nunmehr bereits nachmittäglichen altstadtbummel, zu einer zeit, wo man in d-land schon wieder ans zubettgehen denkt. so schlenderten wir durch die kolonialen gassen dieser an kulturschätzen reichsten stadt amerikas und besichtigten die verschwenderisch, ja fast schon obzön mit goldstuck überladenen kolonialen kirchen der verschiedenen spanisch-katholischen orden, die sich hier vor 500 jahren direkt nach der eroberung auf alten inkafundamenten ansiedelten.
das durchaus leckere abendessen im panorama-restaurant unseres gemütlichen altstadthotels fand dann zu einer zeit statt, die hier zwar sicher als früh durchgeht (19:00 uhr), nach der inneren (noch deutschen) uhr der ankömmlinge aber bereits weit nach mitternacht bedeutete. inzwischen sind auch alle rechtschaffen todmüde ins bett gefallen, da wir uns morgen recht zeitig auf den weg zum cotopaxi machen wollen, dem höchsten aktiven vulkan der welt. ich rechne dennoch mit gut ausgeschlafenen teilnehmern, da "recht zeitig" (hier) nach deutscher uhr immerhin "weit nach mittag" bedeutet.. ;-)
die wesentliche botschaft des heutigen tages ist: alle sind gut und gesund eingetroffen und haben einen ersten aktiven tag bei bestem wetter und mit bester laune überstanden. ab morgen wird dann auch nur noch in hiesiger zeit gerechnet :)
die interessierten leser dieser reisetagebuchseiten werden hier weiterhin in loser, aber möglichst dichter folge über den fortgang unseres abenteuers unterrichtet. bis dahin wünschen wir euch allen alles gute und senden von der südhalbkugel ganz herzliche grüße an die lieben daheim,
thomas, thabi und die ganze familien- und freundesgruppe
Di. 12.10.10 Cotopaxi - Hacienda La Ciénega - Thermen von Papallacta
liebe leute, gerade haben wir stundenlang gemütlich in den wunderschönen pool-anlagen der thermen von papallacta (quechua für "kartoffelland") entspannt - natürlichen heißwasser-quellen am fuße des vulkans antisana in der ostabdachung der anden hin nach amazonien.
aber der reihe nach: gestern morgen verließen wir quito gut ausgeschlafen und reisten auf der panamericana ("traumstraße der welt") nach süden. dieser abschnitt der anden wurde von alexander von humboldt "straße der vukane" genannt, weil sie im andenlängstal zwischen zwei reihen von vulkanen entlang führt, die der ost- und der westkordillere aufsitzen.
einer dieser vulkane (und mit sicherheit der schönste) ist der cotopaxi, 5.897 meter hoch, ebenmäßig kegelförmig mit weißer gletscherkappe. allzuoft von dichten wolken umhüllt, hatten wir das große glück, ihn in voller schönheit vor blauem himmel erleben zu dürfen - allerdings kamen im lauf des tages dann doch immer mehr wolken sowie wind auf, sodass wir auf unserer wanderung in ca. 4.000 meter höhe eine ruhige "quebrada" (trockenes flussbett) aufsuchten, um unser exotisches obst-picnic - malerisch im hohen gras vor der imposanten kulisse des vulkans sitzend - genießen zu können..
die wanderung führte uns ab ca. 4.000 meter abwärts über die vulkanflanke zu einer hochebene, die der grund eines früheren schmelzwassersees ist und in der heute noch eine (nunmehr relativ kleine) lagune liegt. der cotopaxi - einer der wichtigsten "götterberge" der einheimischen cotopaxi-indianer - war im jahr 2.000 zum letzten mal mit einigen fumarolen aktiv: man erwartete einen explosiven ausbruch, der aber bis heute auf sich warten lässt..
abends erreichten wir die hacienda la ciénega, die einer der ältesten familien ecuadors gehört und in der schon alexander von humboldt im jahr 1802 wohnte, als er damals im heutigen ecuador weilte. später wurden hier die ersten ränke gegen die spanische kolonialherrschaft geschmiedet, und das alt-ehrwürdige gemäuer mit meterdicken steinmauern gilt bis heute als das bekannteste spukschloss ecuadors..
heute als hotel genutzt, bezogen wir hier einige schöne große, jeweils sehr individuelle zimmer, zumeist mit kamin (der auch brannte und wohlige wärme verbreitete). zum abendessen im großen kaminzimmer spielte eine äußerst fähige indianermusikgruppe auf, und wir feierten den geburtstag einer teilnehmerin mit kuchen bei kerzenschein..
heute früh besuchten wir dann zunächst eine rosenzucht, wo uns die herstellung der schnittblumen erläutert wurde, die wir dann später in d-land (oder japan, russland, amerika etc..) kaufen können. im lauf des vergangenen jahres hat man hier auf biologisch-organischen anbau umgestellt - früher war die hacienda ein beispiel für chemisch vergiftete ausbeutung, heute ist sie ein musterbetrieb für arbeitnehmerfreundliche arbeitsbedingungen - auch wenn die grundsätzliche problematik der verwendung der guten böden des andenlängstals für profitable geschäfte bei gleichzeitiger verdrängung der kleinbauern in die steilen und unwirtlichen hochlagen der anden damit nicht aus der welt ist..
später knechtete unser fahrer den bus über einen andenpass auf 4.100meter höhe, bevor wir dann die grüne andenostabdachung abwärts fuhren und in papallacta, dem "kartoffelland" landeten. hier - bei den thermen des vulkans antisana - bezogen wir gemütliche grasdach-hütten mit thermalquellwasser-gefüllten pools in einem tropischen garten, unternahmen zunächst eine interessante bergregenwald-wanderung entlang eines von exotischer pflanzenwelt mystisch eingefassten flusses, bevor wir es uns in den malerisch eingefassten pools gut gehen ließen..
inzwischen hat sich die gruppe nach einem guten abendessen, erschöpft von einer vielzahl neuer eindrücke, zur ruhe begeben. morgen werden wir der ostabdachung weiter nach amazonien folgen, um die nächsten tage in einer romantischen urwaldlodge zu verbringen und aufregende exkursionen in den grün dampfenden regenwald zu unternehmen. da wir dort fern der zivilisation hausen, werden wir uns wohl erst nach rückkehr in dieselbe hier wieder melden können..
bis dahin ganz liebe grüße aus einem spannenden land, thomas und die familien-explorers :)
Sa. 16.10.10 Amazonien nach oben
liebe leute, gerade sind wir zurueck aus amazonien in die halbwegs zivilisierte welt gekommen und erholen uns von einigen fantastischen und aufregenden urwaldtagen im huebschen staedtchen baños in den thermen unseres neuen hotels am fusse des seit nunmehr elf jahren sehr aktiven vulkans tungurahua.
dies geschah in den letzten tagen: nachdem wir die (vorigen) thermen von papallacta verlassen hatten, bewegten wir uns weiter andenabwaerts und erreichten das amazonische tiefland bei tena, der kleinen und etwas verschlafenen hauptstadt der provinz napo am rio napo, einem der wichtigsten amazonas-zufluesse. eine erste, aeusserst lehrreiche urwaldwanderung brachte uns zu unserer lodge, einem komplett aus holz gebauten verwinkelten "hotel" auf einer steilwand hoch ueber dem unter uns hindurch maeandernden fluss mit fantastsicher fernsicht ueber den dichten urwald vor der haustuer bis in die vorgebirge der anden.
in den naechsten tagen unternahmen wir verschiedene eindrucksvolle wanderungen durch den primaerwald. unser indianischer fuehrer erklaerte uns eine vielzahl der stets medizinisch verwendbaren pflanzen und zeigte uns die unglaubliche lebensvielfalt dieser fremden welt, die oft als "gruene hoelle" verunglimpft wird, in wahrheit aber eher eine gruene apotheke ist. wir kletterten durch enge canyons und besuchten einige fledermaus-familien, die uns in den cavernen um die koepfe schwirrten..
mit zwei kanus besuchten wir die weiter "drinnen" (im wald) gelegene auswilderungsstation amazoonico selva viva, wo aus illegaler haltung beschlagnahmte wildtiere gepflegt und nach moeglichkeit wieder ausgewildert werden. ein junger schweizer volontaer zeigte uns die dort gepflegten tiere: affen, papageien, tukane, kaimane und wasserschweine, aber auch eine anakonda und eine unendliche anzahl von amazonen und sittichen - haeufig tiere, die man in freier wildbahn kaum noch zu gesicht bekommt. wenn alles klappt, wird thabi ab anfang naechsten jahres hier auch einige monate als volontaerin arbeiten..
in aufgeblasenen lastwagenschlaeuchen, zu floessen zusammengebunden, unternahmen wir eine aeusserst witzige fluss-abfahrt durch stromschnellen hindurch, teils neben den floessen schwimmend (so ritten wir auch eine der stromschnellen versehentlich "auf dem hintern" ab - eine etwas schmerzhafte erfahrung, da man dabei denselben des oefteren ueber steine flitzen laesst :) und besuchten eine indianergemeinde im wald, wo wir in einem holz-pfahlbau deren traditionelle lebensweise erklaert bekamen und zur begruessung eine leckere yucca-chicha gereicht wurde, von der auch jeder nippte, obwohl ich unvorsichtiger weise vorher die moeglicherweise etwas ungewoehnliche zubereitungsart verraten hatte.. :-)
wir uebten blasrohrschiessen und toeteten dabei jede menge als zielscheibe aufgestellte holzpapageien und evtl. verschiedene waldpflanzen, zwischen denen unsere pfeile auf nimmerwiedersehen verschwanden. einmal fuhren wir auf dem dach des busses mit und besuchten eine wilde affenfamilie, die wie kleine kinder am flussstrand mit einem hund spielten. ein einheimischer hatte eine boa constrictor aus dem wald geholt, die er unseren maedchen fuer ein foto gern um den hals haengte..
abends sassen wir in der bar der lodge und liessen eine dort gefundene, einschuechternd grosse vogelspinne (nach einiger gewoehnung) von hand zu hand laufen. beim heutigen abschied sass diese riesentarantel zufaelliger weise mit am fruehstueckstisch, wo wir sie in den falten der tischdecke entdeckten: wir hatten uns so an sie gewoehnt, dass wir ihr am liebsten zum abschied die hand geschuettelt haetten - nicht auszudenken, wie unsere reaktion am ersten tag gewesen waere.. :)))
ich muss sagen: ich bin auf unsere teilnehmer, grossenteils jugendliche ohne jede vorerfahrung, maechtig stolz, dass sie all diese dinge mit wahrer begeisterung mitmachten und schliesslich auch zitronenameisen kosteten und sogar die anwesenheit von riesenkakerlaken mit (unterschiedlichem) gleichmut hinnahmen. der urwald wird sie sicher nicht mehr schrecken.. :)
heute gelangten wir ueber die amazonische marginale (die strasse, die amazonien von den anden trennt) wieder hinauf in den bergregenwald der ostabdachung nach baños, einem kleinen staedtchen mit gemuetlicher atmosphaere und einigem (einheimischem) tourismus. auf dem weg besuchten wir eine balsaholzmanufaktur, wo aus dem leichten balsaholz die bekannten tierfiguren und vieles mehr geschnitzt werden. eine kurze wanderung brachte uns zum pailón del diablo, wo der rio pastaza (ein anderer wichtiger amazonas-zufluss) mit gewaltigem getoese eine gefaellstufe hinabstuerzt. und wir querten den fluss mit einer kleinen gondel, die an einem stahlseil ueber die schlucht gespannt war und uns aus ca. 100 metern hoehe in dieselbe hinabstarren liess. auch daran nahmen ALLE (!) teil.. :)
hier in baños werden wir nun die hoteleigenen, vom vulkan tungurahua geheizten thermen geniessen und abends in einer peña (indianische folklore-bar) das bergfest feiern. man moechte kaum glauben, dass nach so viel erlebtem erst eine woche der reise rum ist..!!
uns allen geht es gut, wir haben viel spass miteinander. und jetzt muessen wir waesche waschen.. also bis demnaechst auf diesen seiten, solange alles gute und ganz liebe gruesse nach hause
eure la-palma-explorers-familien/freundesreise i.a. thomas ;-) nach oben
Mi. 20.10.10 Baños - Chimborazo - Ingapirca - Cuenca
liebe leute, heute erreicht euch unser gruß aus cuenca, einem hübschen kolonialen städtchen (na gut: immerhin die drittgrößte stadt ecuadors :) im süden der ecuadorianischen anden.
vor einigen tagen also feierten wir unser (zeitliches) "bergfest" in einer peña (indianische folklore-bar) von baños zünftig bei andiner indianermusik und indianertanz. am folgenden tag schlenderten wir erneut durch das beschauliche städtchen, besuchten eine kleine manufaktur für vegetabiles elfenbein (hier werden die samen der tagua-palme verarbeitet, die einen elfenbeinharten und elfenbeinfarbenen kern haben, der auch wie elfenbein verarbeitet wird, ohne dass dafür etwa ein elefant sterben müsste) und den zoo, in dem wir all die tiere sehen konnten, die wir in freier wildbahn nur mit viel glück zu sehen bekämen (wie condor, jaguar, puma, brillenbär etc..). im markt kosteten wir (fakultativ) gebratenes meerschweinchen und erholten uns in den vulkangeheizten thermen sowie der finnischen und türkischen sauna unseres lodge-hotels..
sonntag folgte dann unser topografisches bergfest: wir kamen so hoch hinaus wie nie zuvor !! dazu fuhren wir wieder ins anden-hochland, besuchten zunächst den (günstigen) kunstgewerbemarkt der salasaca-indiander (direkte inca-nachfahren) und bestiegen schließlich den mit 6.310 metern höchsten vulkan der welt, den schnee- und götterberg chimborazo. dieser größte berg ecuadors hüllte sich während unserer anreise konsequent in dichte wolken und stellte unsere zuversicht mit mehreren wolkenbrüchen schwer auf die probe. als wir uns dann aber dem gipfel tatsächlich näherten, rissen die wolken unversehens auf und erlaubten uns die annäherung (zu fuß) teils bei sonnenschein, belohnt zuletzt sogar mit einigen freien blicken auf den verschneiten gipfel und streifende vicuña-herden (wilde lama-verwandte). dazu mussten wir aber zunächst auf 4.800 meter höhe fahren und die letzten 200 höhenmeter zur höchstgelegenen schutzhütte ecuadors auf 5.000 meter höhe über normalnull zu fuß hinauf steigen. alle (!!) gruppenteilnehmer erreichten trotz der hier oben schon recht dünnen und sauerstoffarmen luft das ziel, und in der schutzhütte erhielten wir auf wunsch einen entsprechenden stempel in den pass und einen heißen cocatee. bergsteiger nutzen diese hütte, um von hier aus dann den vergletscherten gipfel zu erklimmen - was wir uns wohlweislich für ein andermal aufhoben ;-)
auf der abfahrt vom berg nach riobamba im andenlängstal stellte thabi, die ihre fotos auf meinem netbook sichern wollte, fest, dass dieses sich nicht mehr hochfahren ließ - ein problem, welches sich in den folgenden tagen zum mittleren gau ausweitete, da ich an meine gespeicherten unterlagen für die reise nicht mehr ran kam..
am folgenden tag wollten wir den zug besteigen, der die berühmte fahrt zur "teufelsnase" unternimmt, wo die ingenieure des 19. jahrhunderts ihre meisterleistung damit erbrachten, dass sie die bahntrasse auf einer steilwand in atemberaubenden zickzack-kurven verlegten, um die anden-westabdachung richtung pazifischer küste zu überwinden. allein man signalisierte uns, dass wg. eines erdrutsches dieses teilstück nicht zu befahren sei. so legten wir die strecke halt doch wieder mit dem bus zurück - und entdeckten bei alausí, der stadt an der teufelsnase, dass der erdrutsch eine eher untergeordnete rolle beim zugausfall spielte: von einem aussichtspunkt aus konnten wir klar erkennen, dass die gleise an der teufelsnase schlicht komplett fehlten, da die ganze strecke zurzeit neu ausgebaut wird..
so besuchten wir stattdessen "ingapirca", die besterhaltenen inkaruinen ecuadors: ein einheimischer cañar-indianer erklärte uns mond- und sonnentempel dieser von den inkas auf einem älteren cañarí-heiligtum erbauten tempelanlage. der sonnentempel selber war in der (sonst von peru bekannten) feinen steinmetzarbeit errichtet, bei der die polierten steine fugenlos ineinandergreifen. wohlgemerkt von einem steinzeitvolk, dass weder eisenwerkzeuge, noch rad oder flaschenzug kannte..
am südlichsten punkt der reise hatte ich heute endlich in cuenca gelegenheit, meinen havarierten computer einem fachmann vorzustellen: der schuhverkäufer neben unserem hotel entpuppte sich als nebenberuflicher universitätsprofessor, der in seiner freizeit computer repariert. während er sich in den computer vertiefte, durchstöberten wir cuenca und rückten hier der berühmten panamahut-produktion auf den leib: dieser hut stammt seit je aus ecuador, wurde nur zu seinen besseren zeiten über panama exportiert und erhielt so seinen ebenso berühmten wie falschen namen..
mit passendem kopfschmuck neu eingedeckt, besuchten wir einige der in jeder hinsicht geschmackvollen cafés des liebevoll restaurierten stadtzentrums und ließen es uns gut gehen, während thabi sogar in der kathedrale der hier für wunder zuständigen jungfrau des lichts eine kerze anzündete in der hoffnung, damit etwas zum gelingen der rettung unserer fotoschätze aus peru und bolivien beitragen zu können. tatsächlich erwartete uns der gebildete schuhverkäufer schließlich mit der guten nachricht, die daten komplett gerettet zu haben: schnell hatte er einen (evtl in folge einer statischen entladung oder durch überhitzung) durchgebrannten arbeitsspeicher als schadensursache lokalisiert und stellte die funktionstüchtigkeit wieder her - so dass ich jetzt wieder am eigenen netbook arbeiten kann, während die anderen noch letzte schnäppchen des andenhochlandes suchen.. :))
morgen verlassen wir dann die anden über einen 4.100 meter hohen pass der westkordillere und überwinden die westabdachung endgültig richtung pazifischer küste, wo wir uns an den stränden bei guayaquil noch etwas von unseren amazonien- und hochlandabenteuern erholen wollen, bevor es ende der woche für unsere familien/freundesgruppe unwiderruflich zurück nach europa geht.
dazu melden wir uns dann noch einmal, bis dahin ganz liebe grüße in die alte welt noch aus den hohen anden, thomas
Fr. 22.10.10 Küste: Playas - Guayaquil nach oben
liebe leute, inzwischen haben wir guayaquil erreicht und bereiten uns auf unser letztes abendmahl vor :)
das andenhochland verließen wir über die westkordillere über einen abermals 4.100 meter hohen pass, mit tollen ausblicken in die karge bizarre gebirgswelt und gruselig tiefe schluchten mit wallenden wolkenfeldern. aufgrund der im kleinen ecuador relativ kurzen wege konnten wir uns dann schon am nachmittag in die wohlig warmen fluten des pazifiks stürzen..
so blieb uns - nach all den abenteuern in amazonien und andenhochland - noch ein wenig zeit zum entspannen an den langen einsamen stränden der ecuadorianischen küste, die übrigens an wochenenden und in den ferien alles andere als einsam sind. hier konnten wir uns je nach gusto auch in billard oder sqash üben oder halt nach herzenslust in den wellen toben, was auch ausgiebig angenommen wurde. abends gab es frisch zubereitete, leckere langusten in einem urigen offenen dorflokal..
gestern unternahmen wir eine ausgedehnte bootsfahrt in die mangrovenwälder des rio-guayas-mündungsgebiets, beobachteten pelikane, rosa flamingos, löffler, wattläufer und schlangenhalsvögel und besuchten zudem die sagenhafte vogelinsel: hier nisten zurzeit tausende von fregattvögeln (das sind die schönen schwarzen sturmvögel, deren männchen beim balzen so einen roten kehlsack aufpumpen, um damit ein weibchen in das zuvor liebevoll hergerichtete nest zu locken :)
zu tausenden kreisen die schönen vögel in der thermik über der insel. wir landeten und wanderten zu ihren nistplätzen: hier sitzen sie dicht an dicht in den niedrigen baumkronen der mangroven und füllen die luft mit einem chaotischen tohuwabohu ihrer schlanken flügel und körper beim ständigen starten und landen, während sich die pärchen beim füttern der jungen gegenseitig abwechseln.
nach rückkehr ins strandhotel unternahmen einige von uns (sogar die meisten!!) einen zünftigen ausritt auf drahtigen kleinen pferdchen: je nach vorwissen (bzw. baldiger gewöhnung) mal im geruhsamen schritt, mal im gestreckten galopp den strand entlang preschend, sammelten hier auch leute reiterfahrung, die das zuvor gar nicht vorhatten :))
heute nun erreichten wir guayaquil, die letzte station unserer familien- und freundesreise. nach dem einchecken in unser zentral gelegenes stadthotel bummelten wir durchs zentrum und besuchten einen öffentlichen park, in dem dutzende von wilden großen grünen leguanen sich nicht im mindesten von den parkbesuchern stören lassen, spazierten den vielleicht schönsten malecón (uferpromenade) amerikas entlang und stärkten uns noch einmal mit den leckeren obstsäften und -salaten ecuadors. in einem café irritierte uns sekundenlang das eindringen einiger mit maschinenpistolen bewaffneter kräfte, die sich den inhalt der kasse aushändigen ließen - es waren allerdings nur die mitarbeiter eines sicherheitsdienstes, die die tageseinnahmen abholten..
eben haben wir ein stück abflussrohr gekauft, in welchem die stolzen besitzer von original amazonasindianer-blasrohren dieselben reisefertig zur gepäckaufgabe verpacken können. im augenblick werden weitere letzte einkäufe erledigt, bevor wir uns gleich alle zum abmarsch zum letzen abendessen im ältesten stadtviertel guayaquils treffen, in las peñas auf dem stadtgründungshügel santa ana.
morgen samstag sehr früh (5:00 uhr) geht es dann raus zum flughafen, und die gruppe tritt die lange heimreise an. wir geben hier noch mal bescheid, wenn alle gut weg gekommen sind. bis dahin ganz liebe grüße von einer rundum begeisterten jungen und junggebliebenen truppe, die sich wirklich prächtig geschlagen hat und super nett zusammen gewachsen ist !! :)) i.a. thomas nach oben
Sa. 23.10.10 Familien- und Freundesgruppe auf dem Heimweg
liebe leute, soeben kommen thabi und ich vom flughafen guayaquil zurück ins hotel:
die gruppe ist - trotz eines vom hotel versaubüdelten weckrufs - rechtzeitig und problemlos weg gekommen. wenn alles planmäßig verläuft, werden 12 teilnehmer morgen sonntag vormittag gegen 10:10 uhr in berlin-tegel landen mit flug KL 1821 aus amsterdam; 3 weitere teilnehmer verlängern noch um eine woche strand- und schnorchelurlaub am zwischenlandeziel bonaire / niederländische antillen (karibik).
die reise verlief alles in allem unproblematisch, es ging auch an gepäck (meines wissens) nichts verloren, weder irgendwo was vergessen noch geklaut o.ä. (ah doch: ein t-shirt in der wäsche..) außer ein wenig "darmflora-anpassungsphase" gab es auch keine gesundheitlichen probleme, von einigen kurzfristigen leichten kopfschmerzen wg. der höhe sowie einem brummenden hintern nach dem reitausflug mal abgesehen :)
allen hat die ausgesprochen vielseitige und lehrreiche "bildungsreise" mit ihren vielen spannenden und interessanten aktivitäten ausgesprochen viel spaß gemacht - wiederholung der familienreiseidee zu neuen ufern nicht ausgeschlossen ;-)
nun wünschen wir allen teilnehmern einen ruhigen flug und gute heimkehr, und dass ihr alle noch lange von den tollen erlebnissen und umfangreichen erfahrungen zehren könnt !! häufig wird einem erst bei auswertung der fotos richtig bewusst, was man alles in der zeit gesehen und zu verarbeiten hatte..!!
apropos: alle haben tolle fotos geschossen - es ist wichtig, diesen potenziellen schatz zu heben, indem man die besten fotos zusammenführt und so allen teilnehmern zugänglich macht, denn erst die gesamtschau macht den eigentlichen schatz aus.. -- also "best-of-ecuador" organisieren !!
hey: gerade fliegt der klm-flieger mit unserer gruppe über das hotel davon !! GUTEN FLUG - wir sind in gedanken bei euch !!
thabi und ich gehen jetzt erst mal frühstücken und werden uns dann um unseren weiteren reiseverlauf kümmern. die nächste gruppe (patagonien) treffen wir mitte november in buenos aires, bis dahin haben wir noch etwas zeit, neues auszukundschaften. wer lust hat, kann unseren weiteren weg auf diesen seiten gern weiter mitverfolgen - wir würden uns freuen, gelegentlich von euch zu hören !! :)) (s. Erkundungen im wilden Norden Perus)
bis dahin euch allen alles gute, ganz liebe grüße zurzeit noch aus guayaquil, ecuador thomas und thabi
Kommentar: Sa. 23.10.10 Danke Hallo Thomas, vielen Dank für dein schönes Reise-Tagebuch. Wir, die Daheimgebliebenen und manchmel doch noch besorgten Eltern von Alex haben Deine Berichte sehr gerne und mit viel Spannung gelesen. Deine blumenreichen und ausführlichen Schilderungen liest man mit Freude und ist in Gedanken immer bei Euch. Es hat sehr viel Spaß gemacht, Euren Spuren zu folgen. Wir (Thomas und Angelika) möchten Dir sehr für Deine Fürsorge und Organisation dieser wunderschönen Reise danken. Alex wird bestimmt etwas mitnehmen, was er sein Leben lang nicht vergessen wird. Wir sind gespannt, was er noch so alles schildern wird. Besonders auf die Fotos sind wir gespannt. Vielen Dank nochmals für Dein Engagement und Deine Mühen. Viel Erfolg bei Deinen zukünftigen Expeditionen. Gruss Thomas
Kommentar: So. 24.10.10 Vielen Dank !!! Hallo Thomas, auch von unserer Seite vielen Dank für die begleitenden Texte hier im Reisetagebuch und die nette Betreuung vor Ort. Wie wir hören war es eine tolle Reise. Die Gruppe ist heute morgen gutgelaunt in Tegel angekommen. Die Müdigkeit kommt sicherlich bald nach. Nochmals vielen Dank. Anna-Lena und ihre Eltern
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