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(zuvor: Jubiläumsgruppe Ecuador ) La Paz/Bolivien; Atacama; Seengebiet
Mi. 28.10.09 1. Lebenszeichen aus Copacabana, Titicacasee
liebe leute, hier nun ein erster gruss von meiner erkundungstour durch peru, bolivien, chile und argentinien:
zz habe ich einen kurzen aufenthalt in copacabana - nicht am strand von rio, sondern am titicacasee, kurz nach grenzuebertritt nach bolivien. wer schon mit mir in bolivien war, wird sich wehmuetig erinnern: sonneninsel, viele indianer, bunter markt.. ;-)
die letzten tage habe ich einige tausend kilometer mit bussen zurueckgelegt: sonntag war klar, dass der erste flieger erst naecshten donnerstag einen freien platz fuer mich hatte. so setzte ich mich kurzerhand sonntag nachmittag in den naechsten bus nach peru und verbrachte so die naechsten beiden tage und naechte in bussen. kurze aufenthalte in lima, arequipa und puno (am titicacasee) sorgten fuer gute bedingungen fuer unsere gruppen hier im naechsten jahr. auch am colca-canyon (mit den condoren!) habe ich eine bessere bleibe unter vertrag nehmen koennen..
gerade habe ich in copacabana das hotel klar gemacht, und in wenigen minuten startet mein bus nach la paz. wetterbericht: strahlend sonnig, tiefblauer himmel, tiefblauer see..
soweit fuer heute - wollte nur mal kurz ein lebenszeichen geben. bis bald wieder auf dieser seite, euch daheim alles gute und ganz liebe gruesse aus 3.800 meter hoehe vom strahlend blauen titicacasee
thomas
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Fr. 30.10.09 La Paz, Bolivien
liebe leute, geradezu unwirklich (schön) ist im augenblick mein arbeitsplatz: in meinem lieblingshotel in la paz, der höchstgelegenen hauptstadt der welt (bolivien, 3.600 bis 4.000 m über normalnull) hat mein schleppi w-lan-empfang - und ich das etwas zweifelhafte vergnügen, nun auch nachts arbeiten zu können.
aber wie: im restaurant sitze ich, um mich herum live-andenmusik vom feinsten, dazu echter indianertanz, ich kann im rhythmus tippen: so macht arbeit richtig spaß.. ;-)
überhaupt gehöhrt La Paz unbedingt zu meinen lieblingsstädten: die verwinkelten gassen voller buntem leben, der zauber- und hexenmarkt, das klare licht unter tiefblauem himmel - ich könnte stundenlang schwärmen.. vielleicht liegt es aber auch einfach an den netten menschen, die einem diese (doch immerhin groß-)stadt so liebenswert erscheinen lassen..
und von dem rest des landes will ich jetzt gar nicht anfangen - ich käme unter drei seiten schwärmen hier nicht mehr raus.. ;-)
wie auch immer - es liegt natürlich auch am erfolg der arbeit: die nächstjährige peru-bolivien-reise konnte ich organisatorisch nun schon weitgehend absichern. wenn wir sie teilnehmermäßig zustande kriegen, wird es wieder eine fantastische reise voller höhepunkte und einzigartiger erfahrungen..!!
auch für mein töchterchen, die zurzeit als aupair in irland ihr englisch auf vordermann bringt, konnte ich einige kontakte auftun, die ihren wunsch, hier einige zeit in (spanischsprachigen) sozialen straßenkinderprojekten mitzuwirken, realisierbar werden lässt: sowohl in den hohen anden wie im dschungel-tiefland sind freiwillige mitarbeiter stets gern gesehen, die hier auf ihre art einschlägige lebenserfahrung sammeln wollen..
in den nächsten tagen werde ich mich anden-abwärts zur nördlichen chilenischen küste aufmachen und mich dann über santiago de chile nach süden durchschlagen, um schließlich "ganz unten" in patagonien die andere reise des nächsten jahres abzusichern. übrigens: hier läuft nun die sonne mittags schon eindeutig durch den norden (das ist ne insider-info für die ecuadorianer) - die schatten laufen also stets "verkehrt" herum. aber wenn wir alle abends den mond anschauen, dann ist der immer derselbe, auch in seinen phasen - nur das er für mich nun halt schon ziemlich auf dem kopf steht..
wir hören voneinander - ich geh jetzt mitfeiern. euch alles gute und ganz liebe grüße aus der musikalischen bolivianischen nacht
thomas
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Di. 3.11.09 Arica - San Pedro de Atacama
liebe leute, hier nun ein neuer gruss aus der trockensten wueste der welt: seit tagen schlage ich mich kreuz und quer durch die atacama im norden chiles. aber der reihe nach:
von la paz im andenhochland brachte mich eine lange und teils holperige busfahrt durch die einsamkeit des altiplano und der hier rein vulkanischen westkordillere bis hinunter nach arica, der noerdlichsten stadt chiles an der pazifik-kueste. die lange reise entschaedigte mit fantastischen aussichten auf schneebedeckte vulkane vor tiefblauem himmel, die weiten hochebenen bevoelkert von wenigen indianer-gehoeften, unzaehligen lama- und alpakaherden sowie kleineren trupps ihrer wilden verwandten, den eher reh-aehnlichen vicuñas, und flachen seen voller flamingos.
arica selber liegt in einer fruchtbaren gruenen flussoase an der pazifischen kueste in unmittelbarer naehe zur peruanischen grenze. frueher gehoehrte es sogar zu peru, wurde denen aber im sogn. salpeterkrieg von 1880 von chile abgenommen. vom festungshuegel hoch ueber der stadt hat man eine tolle sicht auf die langgestreckte bucht, die feinen weissen straende mit guten surf-wellen, die ueberschaubare stadt und den geschaeftigen hafen, in dem sich schwaerme von pelikanen und gewaltige exemplare von seeloewen tummeln. arica ist bolivianischer freihafen, seit chile bolivien in demselben krieg ebenfalls einen pazifischen kuestenstreifen abnahm und bolivien so zum binnenland machte (was die bolivianer den chilenen heute noch nachtragen..)
auf der weiterfahrt durch die atacama richtung sueden fallen die grossen weissen flecken in der sonst in allen farben leuchtenden, voellig vegetationslosen wueste auf. es handelt sich um natriumnitrat (oder eben salpeter), das die region damals interessant und zum kriegsgrund machte. denn salpeter war unversichtbarer bestandteil des schiesspulvers sowie wichtig bei der herstellung von kunstduenger. seit fritz haber in berlin ein billigeres verfahren zur kuenstlichen synthese von natriumnitrat entdeckte, ist der salpeterboom vorbei. dafuer wird heute in der atacama ein fuenftel der weltproduktion von kupfer abgebaut, die groesste mine hat im tagebau ein bislang 700 meter tiefes und mehrere kilometer weites loch hinterlassen, aus dem taeglich mehrere hunderttausend tonnen gestein gesprengt und in riesigen schleppern abgefahren werden (allein die reifen der ungetueme haben eine hoehe von 4 metern!!). zudem werden in der atacama knapp die haelfte des weltvorkommens an lithium vermutet, welches bald im grossen stil gewonnen werden soll.
gluecklicherweise ist die atacama gross genug, so dass die minen nicht staendig ins auge fallen. zurzeit befinde ich mich im ehemals recht verschlafenen (inzwischen von saemtlichen globetrotteln der gegend angelaufenen) wuestenort san pedro de atacama, einer flussoase am fuss der anden auf 2.400 meter hoehe, komplett aus luftgetrockneten lehmziegeln erbaut und nunmehr mit der noetigen infrastruktur fuer backpackende reisende aller nationalitaeten ausgeruestet, wie relativ einfachen herbergen und internet-cafés. hier lernte ich ein nettes deutsches paerchen kennen, die mit ihren bikes (nix moppeds: fahrraeder!!) bislang quer durch die atacama, von hier aus hinauf in die anden nach bolivien, ueber den groessten salzsee der erde nach uyuni und bis ca. weihnachten weiter ueber la paz evtl. bis peru radeln wollen. mit diesen beiden abenteurern, die aehnliches schon in buchstaeblich allen teilen der welt unternommen haben, unternehmen wir seit einigen tagen touren in alle richtungen in die wueste. so besuchten wir mond- und todes-tal - der letzte name geht auf ein missverstaendnis zurueck: eigentlich wollte der amerikanische geologe, der das tal erstmalig erkundete, es (zu recht!) mars-tal nennen (mars = marte), seine chilenischen hilfskraefte verstanden ihn aber schlecht und machten daraus muerte (=tod); ein anderes tal auf bereits ueber 4.000 meter hoehe macht die geologische aktivitaet der region mit unzaehligen geysieren deutlich, deren dampfsaeulen im morgenlicht dutzende von metern in die hoehe schiessen; im zentrum des atacama-salzsees stiessen wir auf lagunen voller rosafarbener flamingos, die im salzigen seichten wasser nach den roten krebsen gruendeln, denen sie ihre rosa farbe verdanken. die "ojos del salar" (augen des salzsees) sind kreisrunde wassergefuellte (und daher blau leuchtende) einbrueche in der salzdecke, in den benachbarten "brauen" (cejas, gebogene aehliche phaenomene) kann man im warmen, stark salzhaltigen wasser baden aehnlich wie im toten meer.. astrid und andi: viel glueck und alles gute auf eurer weiterreise durch einen der einsamsten, aber eben auch faszinierendsten teil unseres planeten - und kommt mir heil durch die wueste..!! ;-)
natuerlich juckt es mich, diese fantastische gegend in ein zukuenftiges programm einzubinden: auf jeden fall wird es bestandteil der geplanten trans-suedamerika, von arica nach rio de janeiro. so bin ich zurzeit schon am kontakten moeglicher agenturen und unterkuenfte.
morgen werde ich meine reise nach sueden fortsetzen, noch trennen mich einige tausend kilometer atacama von santiago de chile, um von dort aus unsere naechstjaehrige patagonien-expedition in trockene tuecher zu bekommen.
wir hoeren voneinander.. bis dahin alles gute und ganz liebe gruesse aus der atacama,
thomas
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Mi. 11.11.09 Santiago - Seegebiet - Patagonien
liebe leute, eine woche später habe ich nun santiago lange hinter mir gelassen und stecke bereits mitten im tiefsten patagonien:
eine 20-stündige busfahrt brachte mich auf einen rutsch von der küsten-wüstenstadt antofagasta nach santiago, wo ich bei schönstem sonnig-warmem frühlingswetter alle für unser nächstjähriges vorhaben wichtigen dinge regeln und verabreden konnte. santiago ist eine moderne großstadt, von der es in europa nicht ihresgleichen gibt. hier merkt man deutlich, dass chile keinesfalls unter die entwicklungsländer zu zählen ist.
sonntag nachmittag hatte ich noch zeit für einen kurzen abstecher an die pazifische küste nach valparaiso, die ca. 2 fahrstunden von santiago entfernte größte und wichtigste hafenstadt chiles. sie liegt malerisch um eine bucht an die hänge geklebt, schräg laufende fahrstühle aus dem (vor-)letzten jahrhundert vebinden unter- mit oberstadt.
abends erreichte ich in santiago dann den nachtbus ins seengebiet. am nächsten morgen war ich also schon wieder weit im süden, dort wo grüne hügel und blaue seen eine liebliche landschaft entstehen lassen, die einen großartigen einschlag erhält durch die darüber thronenden weiß verschneiten vulkane, die sich in den seen spiegeln, und die aus fernen erdzeitaltern stammenden araukarien-urwälder, die die andenabhänge überwuchern. hier haben ab ca. 1850 deutsche einwanderer die gegend kolonisiert, deren nachkommen bis heute hier dominieren und das landschaftsbild architektonisch mit ihren giebeldächern prägen. in den kaffees gibt es richtig kaffee bzw heiße schokolade und dazu kuchen (und der kuchen heißt hier auch "kuchen"!); ich genoss hier meinen wohl besten apfelstrudel bislang..
das hotel, welches wir vor 5 jahren am villarica-see bewohnten, existiert nicht mehr, aber ich fand angemessenen schönen ersatz. hier wollen wir nächstes jahr nach möglichkeit den aktiven, perfekt geformten und stets von einem rauchwölkchen gekrönten villarica-vulkan besteigen und in seinen glühenden lavasee schauen, um uns anschließend in natürlichen thermen inmitten fantastischster natur zu erholen..
gestern abend erreichte ich dann puerto montt, den hafen, in welchem unser schiff zur schönsten schiffsfahrt amerikas nach süd-patagonien ablegt. heute konnte ich auch hier geeignete unterkunft nachweisen und die nötigen kontakte mit der schiffsgesellschaft navimag, die das post- und frachtschiff in den patagonischen fjorden und zwischen den einsamen inseln betreibt, knüpfen. die unterbringung an bord ist einfach, aber angemessen und allemal ausreichend komfortabel für unser vorgesehenes, absolut einmaliges abenteuer..
allerdings erinnert das wetter hier zurzeit eher an deutschen herbst denn an südländischen frühling: ich friere mir hier - nach all der äquator-nähe und wüstenluft der letzten wochen - regelrecht "den arsch ab"..!! die einheimischen warten seit wochen auf den frühling, aber der winter will dieses jahr nicht weichen. das liegt daran, dass dieses jahr wieder ein ausgeprägtes "el-niño"-jahr ist: dieses phänomen sucht die südamerikanische westküste alle paar jahre eher un- als regelmäßig heim und bringt das gesamte klima nachdrücklich durcheinander - wenn es schlimm kommt, dann wird es auf galapagos bald zu warm, die anden-westabhänge schwimmen in sintflutregen davon, während amazonien trocken fällt und unter waldbränden leidet. und in patagonien lässt halt der frühling auf sich warten..
ein gutes hat die sache: die wahrscheinlichkeit, dass uns nächstes jahr ähnliches blüht, schwindet auf ein minimum, denn bislang gab es keine zwei ausgeprägten el-niño-jahre aufeinander folgend. dennoch werde ich wohl für unsere patagonien-fahrt aus der ansage "november" eher ein "ab mitte november bis anfang dezember" machen, um das bestmögliche wetter für uns sicherzustellen.
damit ist die organisation unserer nächstjährigen expedition hier in chile auch schon "erledigt" - alles weitere hatte ich ja schon im märz erledigt. morgen werde ich die anden queren und zunächst bariloche auf der argentinischen seite aufsuchen, bevor ich mich wieder in wärmere nördlichere gefilde davon mache. auch diese gegend ist deutsch besiedelt worden und hat mich schon immer interessiert. doch davon ein andermal..
bis dahin allen interessenten an diesen seiten alles gute und ganz liebe grüße aus dem nördlichen patagonien chiles
thomas
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