Erkundung Patagonien März 2010

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Vorbereitungs-Tour für neue Freundeskreisreisen nach Patagonien

ChileArgentinienFeuerlandValdéz-Halbinsel und Iguazú

Freitag  19. März 2010:      Anreise; Santiago de Chile

liebe leute,

hier folgt der erste bericht der neuen erkundungstour durch das südliche südamerika.

--> sie war nötig geworden, um unsere beiden patagonienreisen abzusichern, nachdem einige dienstleister schwierigkeiten hatten, unseren reservierungen zu folgen, und ich vor ort die probleme prüfen wollte, die durch die erdbeben der vergangenen tage hier in teilen chiles verursacht worden sind.

die anreise mit aerolineas argentinas war deutlich entspannter als zuvor befürchtet: die mit abstand größte / bequemste beinfreiheit zwischen den sitzen, die ich überhaupt je in einem flieger hatte, sowie (für einen flieger) geradezu leckeres essen entschädigten für die umständlichkeit eines (recht simpel zu bewerkstelligenden) flughafenwechsels in buenos aires.

in santiago de chile angekommen, waren die vom erdbeben verursachten schäden schon an den flughafenterminals nicht zu übersehen: einige areale waren abgesperrt, in anderen war die deckenverkleidung teilweise herunter gekommen und gab den blick auf die rohrleitungen frei.  aber immerhin:  die landebahn hatte keine risse ;-) und die abfertigung lief problemlos.

im taxi in die stadt sah man sehr viel weniger schäden als befürchtet: einige zersprungene fensterscheiben und abgeplatzter putz, aber keine aufgerissenen straßen, geschweige eingestürzte häuser. auch der erdbebenalarm, von dem ich noch am morgen vor abflug in europa gehört hatte, erwies sich als fehlalarm:  es handelte sich um einen stromausfall, der einen großen teil des landes betraf (auch santiago war in der nacht für 2 stunden komplett ohne strom geblieben). da bei erdbeben häufig der strom ausfällt, hatten die leute angst vor einem neuen beben, aber es handelte sich um ein technisches problem, verursacht letzlich durch das frühere erdbeben.

übrigens wird im spanischen unterschieden zwischen erdbeben (terremoto) und sowas wie "erdzittern" (temblores): nur das erste erdbeben ende februar mit dem tsunami im gefolge, von dem wir auch in europa als erstes hörten, ist ein terremoto gewesen. alles was folgte, die nachbeben, waren temblores.  der unterschied ist, dass die leute hier an temblores gewöhnt sind, da sie öfter passieren, aber weitgehend folgenlos bleiben. im unterschied zu den terremotos, die zerstörerisch sind, aber im schnitt "nur" alle paar jahrzehnte auftreten.  vor temblores hat hier niemand angst: man bleibt einfach sitzen und wartet ab. wenn es länger dauert, geht man vorsichtshalber auf die straße.  es wächst sich ja fast nie zu einem terremoto aus  - aber wenn, dann ist es natürlich eine katastrophe.. 

die publizierten opferzahlen in den südlich von santiago gelegenen stark betroffenen gebieten gingen von zunächst über 800 auf unter 300 zurück -  die meisten wurden opfer des auf das erdbeben folgenden tsunamis, weil es keine offizielle warnung gab, zu der reichlich zeit gewesen wäre. das wird jetzt hier juristisch aufgearbeitet -  die argumentation ist: da gibt es leute, sogn. experten, die dafür bezahlt werden, im gefahrfall eine warnung rechtzeitig rauszugeben -  und dann behaupten diese leute, dass das vorliegende erdbeben keinen tsunami auslösen würde.  woraufhin eben keine warnung übers radio rausging und viele leute sogar erst wieder in ihre häuser zurück kehrten, aus denen sie eigtl rechtzeitig geflohen waren..

die dennoch (wohl erstmalig in der erdbebengeschichte) zurückgehenden (!) opferzahlen  - so tragisch es für die verbleibenden opfer und ihre angehörigen ist -  ist darauf zurückzuführen, dass zunächst tote und vermisste addiert wurden. die meisten vermissten haben sich aber glücklicherweise lebend wieder angefunden.

was unsere expeditionen nach patagonien angeht: 
die leute hier sind froh, dass nicht alle agenturen ihre buchungen canceln, denn die vom erdbeben betroffenen gebiete sind eindeutig nicht die touristisch interessanten gebiete wie santiago, atacama (im norden) oder seengebiet und patagonien (im süden), sondern ausschließlich der eher industrielle gürtel südlich von santiago bis nördlich des seengebiets um concepción und constitución.  der in europa gebrauchte begriff "süd-chile" ist insoweit missverständlich, als es sich bei chile ja bekanntlich um das langgestreckteste land der erde handelt, wo "der süden" buchstäblich ein ziemlich gedehnter begriff ist. also es ist zwar korrekt "südlich von santiago" (und das ist hier halt "der süden"),  aber der "wahre süden" ist ein paar tausend kilometer weiter südlich, und das ist der süden, den wir meinen, wenn wir von patagonien und unseren expeditionen sprechen.  und DORT gab es weder erdbeben, noch nachbeben, noch stromausfälle..

heute nacht werde ich mit dem nachtbus durch das betroffene gebiet reisen, um morgen früh (nach plan) im seengebiet einzutreffen. der bus fährt autobahn (der zug fährt zurzeit nicht), die autobahn ist weitgehend geflickt und wohl befahrbar (sagte man mir heute), es fehlen noch einige eingestürzte brücken, die zurzeit von militärischen ponton-brücken hilfsweise ersetzt sind. nun: ich bin gespannt, wie die reise ausfällt, und wann ich morgen wo sein werde. auf jeden fall erhaltet ihr an dieser stelle baldmöglichst bericht. 

aber macht euch bitte keine sorgen, wenn hier morgen abend nix steht:  ich weiß wirklich nicht, wann ich das nächste mal ins internet komme..

übrigens ist es hier noch spätsommerlich warm und sonnig, die tische der lokale auf den straßen, das leben munter und fröhlich. 

so:  ich muss los.
bis zum nächsten mal grüße ich euch zurzeit noch aus santiago de chile und wünsche euch einen jetzt hoffentlich mit macht auch über euch hereinbrechenden frühling ;-) 

thomas

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Samstag  20. März 2010       Pucón -  Vulkan Villarica

liebe leute,
nach einem anstrengenden tag ein kurzer eintrag:

die nachtfahrt von santiago nach pucón im seengebiet durch das erdbebengebiet verlief weitgehend problemlos: zwar hoppelte der bus nachts an einigen kleineren baustellen vorbei, wo risse und spalten in der autobahn ausgebessert wurden.  die dadurch verursachte verspätung addierte sich letztlich auf immerhin knapp 2 stunden (was das ausmaß der schäden demonstriert), so dass wir statt 8:30 erst gegen 10:30 in pucón eintrafen  - aber die baustellen sollen schon bis ende des monats weitgehend wieder abgebaut sein. nur die brücken-neubaue werden noch etwas länger brauchen. die nord-süd-autobahn "panamericana" als lebenswichtigstes rückgrad der chilenischen wirtschaft hat absolute priorität  - zum nachteil der bahn, die vorerst entsprechend zurück gestellt wurde. 

pucón am fuß des villarica-vulkans ist von den erdbeben nicht mehr betroffen gewesen, auch wenn man hier noch einige temblores spürte. heute lag das idyllische städtchen am waldumsäumten villarica-see unter blauem himmel in der spätsommerlichen sonne, während ich alle nötigen bestellungen bestätigte.  der von einem ständigen weißen rauchwölkchen umspielte gipfel des normalerweise komplett verschneiten bilderbuchvulkans, den wir mit steigeisen und eispickel besteigen wollen, um einen blick in den stets brodelnden glühenden lavasee zu werfen, hob sich märchenhaft schön vom tiefblauen himmel ab. 

nachmittags setzte ich die reise nach süden fort und befinde mich inzwischen in puerto montt, dem hafen, wo wir das fährschiff nach patagonien besteigen werden. 

im hotel - wo ich schon bei dunkelheit eintraf -  habe ich glücklicherweise internet-empfang -  aber ich bin so erschöpft, dass ich um nachsicht bitte: mehr bericht ist heute nicht mehr drin und auch nicht nötig.  alles in butter, was unsere reisen betrifft..

ich wünsche iene gute nacht,
ganz liebe grüße aus pzerto montt

thomas


Montag 22. März 2010      Anden  - Südliches Eisfeld  - Calafate

liebe leute,                                                                                               nach oben

inzwischen habe ich von puerto montt nach bariloche die anden überquert  - fantastische eindrücke, wie immer - und im argentinischen calafate das südliche eisfeld erreicht:  das größte zusammenhängende gletschergebiet der erde außerhalb von antarktis und grönland.

sowohl das chilenische wie das argentinische seengebiet sind überwiegend deutsch kolonisiert worden -  heute ist das idyllische chilenische seengebiet eine sommerferiendestination zum baden und wandern unter ebenmäßigen vulkanen vor allem der chilenen aus allen teilen des landes, während das klimatisch und landschaftlich rauhere argentinische seengebiet vor allem eine ganz fantastische wintersportdestination darstellt mit ausgeklügelten skizirkus(sen?) an den hängen von monte catedral und tronador. 

ein kurzer flug brachte mich dann heute morgen einige tausend kilometer weiter südlich wieder an unsere geplante patagonienroute zum großen südlichen eisfeld, eben nach calafate am lago argentino.
auch hier sind unsere bestellungen nunmehr problemlos bestätigt, und morgen bin ich ab früh wieder im bus unterwegs, stundenlang durch die windige pampa nach puerto natales  - der hafen, wo unser schiff nach der "schönsten schifffahrt amerikas", von puerto montt kommend, vor anker gehen und uns in die patagonischen weiten entlassen wird -  bevor es dann nach feuerland weiter geht.

dass einige meiner per mail getätigten bestellungen von einigen dienstleistern nicht immer angemessen beantwortet wurden, hat offenbar einen relativ simplen grund: die bestellung wurde jeweils gern akzetiert, angenommen und abgeheftet, allein eine bestätigende antwort hielten einige angestellte nicht wirklich für nötig. die arbeitsweisen in verschiedenen weltgegenden gehen halt mitunter etwas auseinander.. ;-)

so -  morgen wird's wieder lang:  ich hau mich jetzt aufs ohr und wünsche euch allen einen schönen tag, der bei euch ja bald schon wieder herauf dämmert.
euch alles gute und ganz liebe grüße aus calafate, patagonien

thomas


Freitag  26. März 2010       Ushuaia -  Feuerland                          
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liebe leute,

hier erreicht euch nun ein gruß aus ushuaia, der mit abstand südlichsten stadt der welt in feuerland. hier liegen am pier des beagle-kanals die eisbrecher, die die antarktis-stationen versorgen, die sich bereits auf den herandämmernden südwinter vorbereiten. die umliegenden  berge - letzte ausläufer der anden, die hier im südatlantik ertrinken und deren allerletzte aus dem wasser ragenden gipfel noch ein stück weiter südlich die klippen vom seemannsgrab kap hoorn bilden -  sind bereits verschneit, und man läuft hier jetzt kleidungstechnisch so rum, wie in d-land noch vor einer woche.. 

heute konnte ich ein paar wunderschöne wanderungen auskundschaften, die wir dann im nächsten südsommer durch diese urige, urtümliche, etwas fremdartige und manchmal fast unheimliche natur unternehmen werden.  mit einem eigenen boot werden wir verschiedene inseln vor der feuerländischen küste erkunden, und endlich kommen wir auch in dem gemütlichen kleinen hotel unter, das ich schon immer berücksichtigen wollte, was die früher beauftragten agenturen aber nie geregelt kriegten.

zuvor hatte ich in puerto natales den zugang zu den spektakulären felsnadeln der torres del paine, per rasanter zodiakfahrt die stromschnellen des rio serrano aufwärts, sowie beheizte unterkünfte in den windzerzausten patagonischen weiten organisiert. während der überlandfahrten waren wie immer in dieser gegend kleine trupps von nandus (südamerikanische straußenart) und guanakos (wilde lama-vorfahren) zu sehen. auch einen gletscher werden wir mit krampen und eispickel erwandern. 

morgen werde ich den tiefen süden nun wieder verlassen und per kurzem flug auf halbem weg nach buenos aires die peninsula veldéz aufsuchen, um dort unsere wildlife-beobachtungen verschiedener meeressäuger und der weltgrößten pinguinkolonie außerhalb der antarktis zu organisieren. ich halte euch auf dem laufenden. 

bis dahin alles gute und ganz liebe grüße rund um den erdball zurzeit noch aus ushuaia, feuerland

thomas


Dienstag 30. März 2010      Peninsula Valdéz -  Iguazú-Wasserfälle

liebe leute,                                                                                               nach oben

die inzwischen in richtung ungemütlich tendierenden kalten zonen des extremen südens habe ich nun hinter mir gelassen und stattdessen die tropen erreicht: 

zunächst konnte ich im walisischen siedlunggebiet rund um trelew ("dorf des lewis" auf gälisch, nach dem gründer der walisischen gemeinden dort) und die peninsula (halbinsel) valdéz unsere exkursionen zu walbeobachtung sowie seeelefanten- und pinguin-kolonien absichern, bevor ich mich an buenos aires vorbei richtung norden zu den iguazú-wasserfällen (für unsere verlängerungswoche) durchschlug.

als ich im öffentlichen bus nach gaiman, einer walisischen gemeinde irgendwo in der patagonischen pampa bei trelew fuhr, traf ich per zufall den busfahrer wieder, der mich im letzten jahr während seiner dienstpause zu sich nach haus zum tee eingeladen hatte.  er hatte mich tatsächlich schon auf der straße erkannt, als ich grad auf den bus zusteuerte -  ich musste beim einsteigen erst mal verduzt fragen, ob er es wirklich sei, denn ich hatte ja nicht wirklich damit gerechnet.. so konnten wir noch ein käffchen im terminal trinken, und am nächsten morgen verabschiedete er mich mit seiner familie am flughafen. unwahrscheinlich herzlich, die leute hier.. 

ein weiterer flug brachte mich nun also aus dem tiefsten patagonischen süden in den äußersten norden argentiniens, an die brasilianisch-paraguayische grenze bei den iguazú-wasserfällen. hier ist es noch richtig sommerlich warm, und ich konnte alle bestellungen für unsere verlängerer vornehmen. die nette 84-jährige hotelbesitzerin ist inzwischen leider verstorben, obwohl sie im november noch so fit und fidel war.  ihre familie führt das hotel aber in ihrem sinn weiter.. 

nun ist die ganze reise abgesichert, und ich warte auf meinen morgigen rückflug nach buenos aires.  die angemeldeten "patagonier" dürfen sich einschränkungslos auf eine ganz fantastische expedition ins dann frühsommerliche südlichste südamerika freuen.
für mich geht es nun von BsAs nach paris, wo ich am freitag die cuba-gruppe in empfang nehme und mit ihr den großen teich gleich noch mal richtung havanna überquere  - das hat sich aus der flugzusammenstellung so ergeben.  das nächste mal werdet ihr hier also wohl schon aktuelle gruppennachrichten aus cuba hören. 

bis dahin wünsche ich euch alles gute und einen möglichst schönen frühling und april-beginn und den "cubanern" eine problemlose anreise,
ganz liebe grüße noch aus der provinz misiones im argentinisch-brasilianisch-paraguayischen dreiländereck
                                                                                            
Fortsetzung Cuba ‘10
thomas

Eintrag zu Patagonien, 5. April 2010:                                 nach oben
Hallo lieber Thomas,
zunächst wünsche ich Dir frohe Ostern...   und viele "bunte Eier".   Das können übrigens auch nette Reise-Überraschungen sein !
Heute bin ich auf Deine Homepage gegangen, um mal nachzuschauen, was es dort so Neues zu entdecken gibt?!  Dass Du im Moment in Patagonien unterwegs bist, um unsere Reise zu sichern, finde ich schon sehr beeindruckend. Aber so bist du halt !  Ich weiß schon, warum ich mich auf Dich verlasse...  und leider bin ich sonst oft ein misstrauischer und vorsichtiger Mensch !  Du kannst Dir also echt was drauf einbilden !  Aber Deinen Einsatz für unsere anstehende Reise finde ich wirklich bemerkenswert.
Ich bin natürlich total glücklich, dass unsere Reise unter Dach und Fach ist.  Ich freue mich so sehr auf Patagonien, um so mehr, wenn ich Deine Reiseberichte lese !
Viele liebe Grüsse   -   und viel Erfolg mit Deiner Cuba-Reise und -Reisenden
Connie

 

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