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Erkundungsreise
nach Ecuador und zur Isla Juventud / Cuba
Ecuador: Quito; Guayaquil Cuba: Isla Juventud
6.) Freitag, 17. Februar 2006, Quito, Ecuador: “Erkundungen in Ecuadors Hauptstadt”
liebe leute,
nun sende ich euch tatsaechlich gruesse von der suedhalbkugel, aus den anden, aus quito, ecuador, aus knapp 3000 meter hoehe und ca. 30 km suedlich des aequators...
habe hier die letzten drei tage alles fuer unsere fuers naechste jahr anvisierte ecuador-galapagos-reise regeln koennen. die reise wird noch runder als zunaechst vorgesehen, weil sich manche dinge eben erst beim dran arbeiten ergeben. insoweit waren die gespraeche hier sehr interessant und hilfreich.
einige von euch waren ja schon mal mit mir hier - fuer euch wird folgendes interessant sein: quito hat sich in den letzten 5 jahren (so lange war ich nun selber nicht mehr hier..!) maechtig veraendert. das ist nicht selbstverstaendlich: frueher war es immer eine sichere bank - die ganze welt veraenderte sich, nur in ecuador blieb alles immer gleich...
aber inzwischen hat sich der altstadtteil quito colonial maechtig rausgeputzt: war er frueher aehlich marode wie havanna, ist jetzt das komplette koloniale ensemble restauriert und renoviert. alle haeuser sind mit frischer farbe rausgeputzt, alles repariert, die wirren stromkabelknaeuel sind verschwunden. die wunderschoenen kirchen und kloester werden nachts angestrahlt, die ehedem nachts dunklen und unheimlichen (und teils auch wirklich gefaehrlichen) gassen sind beleuchtet. eine spezielle touristenpolizei geht streife, so dass man sich nunmehr auch abends noch auf den strassen, plazas und den in huebschen patios eingerichteten lokalen aufhalten kann. das war frueher tatsaechlich viel zu gefaehrlich: nach einbruch der dunkelheit ging niemand mehr auf die strasse (und hier am aequator wird es das ganze jahr ueber gegen 18:00 uhr dunkel)...
auch der ehedem allgegenwaertige smog ist weg: die alten stinkenden busse sind ausgewechselt gegen alte weniger stinkende busse, die hauptlinie wird jetzt im minutenabstand elektrisch bedient. das hat quito einen internationalen preis eingebracht wg der eindrucksvollsten luftverbesserung innerhalb eines jahres.
von unserem hotel hat man nicht nur einen fantastischen blick ueber das naechtliche angestrahlte quito, sondern es wurde ebenfalls modernisiert und bereitet jetzt z.b. sein warmwasser solar auf - jedenfalls solange die sonne scheint, was hier ja fast immer der fall ist und eine gasersparnis von 70% bringt.
dies alles haengt mit der sogn. dollarisierung zusammen: vor 5 jahren wurde der ecuadorianische sucre abgeloest durch den us-dollar. waehrend vorher der sucre jeden tag bis zu 10% seines werts verlor, ist diese inflation nun gestoppt, die auslaendischen investoren trauen sich wieder zu investieren, und man sieht den zustrom frischen geldes ueberall.
die kehrseite der medaille ist, dass die lebenshaltungskosten nicht nur fuer die einheimischen, sondern auch fuer uns gaeste erheblich gestiegen sind: waehrend man zu sucre-zeiten redlich muehe hatte, umgerechnet 10 dollar pro tag unter die leute zu bringen (einschl. unterkunft, essen und transporten!), ist dies heute kein problem mehr... gemessen an deutschland sind die preise immer noch sehr moderat, aber fuer die einheimischen ist diese entwicklung natuerlich zweischneidig. dies aendert aber nichts daran, dass quito als "kloster suedamerikas" sein potenzial nun sehr viel besser ausschoepft und zu einem wahren schmuckkaestlein, ja einer echten schatztruhe geworden ist.
ich habe nun meine gespraeche hier erfolgreich abgeschlossen und werde morgen frueh einen bus nehmen, der mich aus den anden hinab ins tiefland an die pazifische kueste in die wichtige hafenstadt guayaquil bringt. auch dort werde ich unsere angelegenheit in trockene tuecher bringen (denn von dort aus werden wir nach galapagos starten), bevor ich ueber panama zuruck nach havanna jette, um dort schon bald die cuba-maerz-gruppe in empfang zu nehmen.
soweit also fuer heute, ganz liebe gruesse zz noch aus quito, thomas
7.) Sonntag, 19. Februar 2006, Guayaquil: “Pazifische Küste Ecuadors”
liebe leute,
hier nun ein gruss aus guayaquil, der ecuadorianischen hafenstadt an der tropischen pazifischen kueste.
der freitag morgen fand mich frueh in quito am busbahnhof, die 9-stuendige reise hinunter ins tropische tiefland nach guayaquil kostet 9 dollar. durch die anden abwaerts zu reisen ist immer wieder aufregend und ueberaus beeindruckend: obwohl ich ja frueher bereits auf verschiedenen routen hinab gefahren bin, bin ich jedesmal wieder absolut ueberwaeltigt von der grandiosen natur, den bodenlosen abgruenden, den wabernden nebelschwaden und der zunehmend tropischen und ueppigen vegetation...
schliesslich erreichen wir das tiefland, und es geht stundenlang abwechselnd durch urwald, reisfelder (von einheimischen) und bananenplantagen (von dole und chiquita). in santo domingo de los colorados gibt es eine mittagspause (hier kann man gelegentlich noch indianer in traditioneller roter bemalung auf den strassen sehen).
die beiden letzten stunden faehrt der bus entlang der fluesse rio babahoyo und rio daule, die sich bei guayaquil zum maechtigen rio guayas vereinen. diese eh schon breiten fluesse sind jetzt auch noch reichlich ueber die ufer getreten, bis zum horizont ist das hier tischflache land ueberflutet: felder und waelder, aber auch die doerfer stehen unter wasser. nur die auf einem etwa 1 meter hohen damm fuehrende strasse ist weitgehend trocken.
die doerfer sind auf diese haeufigen ereignisse vorbereitet - sie bestehen aus holzhuetten in pfahlbauweise. untereinander verbunden sind die huetten mit abenteuerlichen steg-konstruktionen. kinder spielen im huefthohen wasser, und die erwachsenen schaukeln in der haengematte oder stehen mit einem gewehr (zur jagd) im sumpf.. das wirkt zunaechst alles recht malerisch - bei genauerem hinsehen aber wird deutlich, dass es sich oft um wackelige, moskitoverseuchte elendsquartiere handelt, die beim ersten windstoss zusammenfallen wuerden (zum glueck gibt es hier keine stuerme..).
nun - wir werden hier spaeter sicher keinen elendstourismus veranstalten, sondern uns an die buchstaeblich ueberragenden naturschoenheiten dieses wunderbaren landes halten. die indianerdoerfer in den anden sind auch meistens huebsch in schuss. aber gelegentlich wird uns ein blick in die lebenswirklichkeit der menschen am unteren rand der skala nicht erspart bleiben - und soll es auch nicht. das gehoert nunmal (leider) zur ganzen wahrheit dazu und sollte deshalb auch wahrgenommen werden. aber wer mit mir schon auf cuba war, wird sich in solchen augenblicken etwas wehmuetig an die so auffaellig saubere und geordnete lebenswirklichkeit der dortigen landbevoelkerung erinnern...
mit einbruch der dunkelheit erreiche ich guayaquil und nehme quartier in dem fuer unsere gruppen ausgewaehlten huebschen kleinen hotel.
am samstag erkunde ich mit rubén, einem einheimischen fuehrer, die in den letzten jahren vorgenommenen aenderungen der frueher recht gesichtslosen stadt:
der malecón, also die uferpromenade, wurde grundinstandgesetzt und ist heute ein glanzstueck und vorzeigeprojekt der stadt. hier kann man nach einem heissen tag ideal den tropischen abend verbummeln. traege treiben schwimmende inseln aus wasserhyazinthen auf dem río guayas vorbei. das viertel las peñas am huegel santa ana, der aelteste teil der stadt, vor dem man frueher wg seiner gefaehrlichkeit warnte (nicht einmal die polizei traute sich in das gebiet), ist ebenfalls komplett renoviert und strahlt in frischem glanz. die frueher bettelarmen anwohner haben ihre chance genutzt und ihre ehedem verfallenden haeuser mit staatlicher hilfe in cafés und lokale verwandelt. helle strassenbeleuchtung und eine gehoerige anzahl der neuen touristenpolizei sichern die errungenschaften ab. 420 durchnummerierte stufen fuehren auf den huegel santa ana zum aeltesten leuchtturm ecuadors, von dem man einen faszinierenden rundblick ueber das heutige guayaquil hat.
ich freue mich: endlich kann man auch guayaquil guten gewissens in das programm mit einbeziehen. wir werden hier unsere auf galapagos nicht benoetigten hochgebirgsutensilien deponieren und spaeter unseren abschiedsabend angemessen feiern koennen...
morgen montag werde ich ueber panamá zurueck nach cuba fliegen und dort die baldige ankunft der maerz-gruppe abwarten, nicht ohne die verbleibende zeit zu nutzen und dort solange noch einige neue ideen auszukundschaften..
8.) Donnerstag, 2. März 2006, Havanna: “Das zweite Cuba: Insel der Jugend”
liebe leute,
gerade komme ich von der isla de la juventud (insel der jugend) zurueck - das war ein wunderschoener ausflug..
die insel gehoert mit tausenden kleinerer sogenannter cayos zum cubanischen archipel und ist nach der hauptinsel die zweitgroesste insel des archipels, immerhin drei mal groesser als la palma.
vor einer woche, nach rueckkehr aus ecuador, wollte ich dienstag frueh dorthin aufbrechen, denn diese insel wollte ich schon immer mal kennen lernen. es gibt so viel geheimnis um sie..
so dampfte ich mit einem bekannten und dessen alten dodge von 1954 nach batabanó, dem hafenort suedlich von havanna an der karibischen kueste - um dort festzustellen, dass es die tickets fuer die faehre nur in havanna gibt..
ein landarzt brachte mich zurueck, und nach einer unfreiwilligen uebernachtung am busbahnhof gab es am naechsten morgen frueh um sieben einen zweiten versuch. langes schlangestehen ist hier hormal, aber dann brachte ein bus die passagiere (ich war der einzige auslaender) zum anleger nach batabanó und dann auf die faehre. diese war ein moderner katamaran, sehr schnell, deshalb leider ohne oberdeck, dafür aber kostenlos, denn er war noch in der probephase.
nach knapp drei stunden waren die gut 100 kilometer durch die tuerkisblaue karibische see mit unzaehligen kleinen inselchen geschafft, und wir legten in nueva gerona, dem gemuetlichen hauptstaedtchen der isla, an. ueber einige bekannte hatte ich hier eine adresse, wo ich privat ueberaus freundlich aufgenommen wurde. hier gab es familienanschluss pur..
fast alle einwohner der insel leben in gerona. auf dem land gibt es einige kollektive und kommunen, aehnlich organisiert wie die israelischen kibbutzim. dort gibt es auch die grossen internate, die der insel ihren namen gaben: in den siebziger und achtziger jahren wurden dort studenten aus allen moeglichen sozialistischen bruderstaaten aus afrika und asien kostenlos zu aerzten und ingenieuren ausgebildet. heute studieren dort hauptsaechlich junge leute aus der westsahara und aus venezuela. wegen der grossen ausbildungsprogramme lebten und arbeiteten hier unter idealen kommunistischen bedingeungen (die meisten dinge gab es kostenlos) mehrere generationen von studenten, so dass 1978 die ehemalige insel der pinien in insel der jugend umbenannt wurde.
vor der revolution war die isla de pinos eine beruechtigte gefaengnis- und deportationsinsel: schon der cubanische freiheits- und nationalheld jose martí wurde 1870 von den spaniern hierhin deportiert, als er als ganz junger mann gegen die kolonialherren aufmuckte, und auch fidel castro sass hier 1957 mit seinen companeros ein, nachdem er mit einem ueberfall auf die mancadakaserne in santiago de cuba das final zur revolution gegeben hatte. nach dem sieg der revolution liess fidel das riesige gefaengnis in ein museum und eine schule umfunktionieren - bald folgten weitere schulen, s.o.
mir gefiel es auf der isla ungeheuer gut, weil die menschen hier so selbstverstaendlich gastfreundlich und hilfsbereit sind. aber auch die natur hat einiges zu bieten: so besteht die ganze insel aus marmor!! die bausteine der haeuser sind aus marmor, natuerlich auch die fliesen, sogar der strassensplit..
in den flachen suempfen des zentralgebiets gibt es einen dschungel und eine sehr interessante krokodilfarm, in der das cubanische rombenkrodkodil durch nachzucht vor dem aussterben geschuetzt wird. der sueden der insel ist militaerisch abgeschottet, weil man von hier aus eine invasion befuerchtet. dennoch war es mir mit hife der einheimischen freunde moeglich, eine genehmigung fuer dieses gebiet zu erhalten und dort einige hoehlen mit sehr schoenen hoehlenmalereien der ureinwohner zu besichtigen, die ein englischer schiffbruechiger 1911 dort per zufall gefunden hat. was mich dabei am meisten beeindruckte, war die unglaubliche aehnlichkeit der hiesigen malereien mit den felsritzungen der ureinwohner auf la palma..!!
da ich keinerlei militaer in diesem gebiet bemerkte, erklaerte man mir auf nachfrage, dass es auch keines gebe: der kuestenschutz wird von den schnellbooten der kuestenwache garantiert, die weit vor der kueste patroullieren. die abschirmung des gebiets hat heute eher oekologische als militaerische gruende. dennoch sind die strassen dort im sueden in einem erbaermlichen zustand und sollen es auch absichtlich bleiben, um einem etwaigen eindringling nicht auch noch ein schnelles fortkommen ins inselinnere zu erleichtern.. (die uebrigen strassen sind eher hervorragend!!)
das wichtigste des suedens sind die fantastischen straende und hervorragenden tauchgebiete, die zu den besten der welt gehoeren. natuerlich bin ich schon am ueberlgen, wie ich diese in jeder beziehung lohnende insel in ein neues cuba-programm integriere...
schnappschuesse:
"... aber dann kam ich in die nette familie: das vermieter-paar lili und roberto (etwa mein alter) stellt mir seine enkelkinder vor, zwei suesse kleine maedchen, glenda 5 und talia 4 jahre alt. am nachmittag kommt erst der papa leonardo nach hause und wird von den kids stuermisch begruesst.
ich sitze im schaukelstuhl auf der veranda und spiele mit den kids. im ersten stock singt eine wunderschoene frauenstimme beim feudeln der terrasse. jetzt kommt die mama ismari nach hause, in uniform. sie ruft rauf: "hey, du singst schon, ist denn schon abend?" eine aeltere unglaublich fette frau laesst sich an der balkonbruestung sehen und ruft grazioes hinunter: "fuer die kultur gibt es keine feste stunde!" sie wechseln lachend ein paar worte, dann sagt die alte: "wer weiss, vielleicht werde ich ja noch entdeckt.." , wirft kokett lachend ihren massigen arsch herum und verschwindet zum weiterputzen.. - sowas komisches erlebt man nur hier...
abends sitzen wir alle (einschliesslich der saengerin) zusammen auf schaukelstuehlen im patio und es wird erzaehlt. so authentisch am einheimischen leben teilgehabt wie hier ist mir glaube ich noch nirgends passiert: morgens gemeinsames fruehstueck, dann gehen papa und mama wieder arbeiten, roberto und ich fahren mit dem mietwagen ueber die ganze insel. ich lerne eine menge netter typen kennen: bauern, krokodilpfleger, auf dem land leben die leute hier in kommunen wie in den israelischen kibutzim. busse und viele dinge des taeglichen gebrauchs sind kostenlos, zz erhaelt jeder cubaner einen elektrischen dampfkochtopf und die gluehbirnen zu sparlampen ausgetauscht, um elktrizitaet zu sparen und den lebensstandard zu erhoehen.
an einem anderen abend bruetet roberto ueber seiner stromrechnung. gern erklaert er mir, wie das auf cuba funktioniert: die ersten 100 kW sind so gut wie kostenlos, die soll jeder haben feur seinen bedarf. die jeweils folgenden 50 kW aber steigern sich im preis relativ stark. so wird nicht (wie bei uns) der hoehere stromverbrauch belohnt, sondern man wird zum stromsparen gebracht, ganz oekologisch, aber in unserem sinne unoekonomisch.. unglaublich, was ich hier in der kurzen zeit schon wieder an neuem gelernt habe... nur klopapier gibts nicht auf der ganzen insel..."
nun gut - gestern brachte mich das normale (und damit entscheidend langsamere) boot in 6 stunden fahrtzeit zurueck, bei rauherer see ein (un-)reines vergnuegen, da die cubaner offenbar nicht sehr seefest sind.
und nun erwarte ich in unserem hotel die neue gruppe, die sich in wenigen stunden aufmachen wird zum sprung ueber den grossen teich. ich werde - bei gelegenheit - dieses tagebuch weiter fuehren - wer mag, kann also weiterhin an unserer reise teilhaben, bis zur rueckkehr nach d-land am 23.maerz.
ganz liebe gruesse solange aus havanna und bis zum naechsten mal, thomas
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